DIN V 18599 Teil 8: Nutz- und Endenergiebedarf für Trinkwarmwasser
DIN V 18599 Teil 8 bilanziert die Trinkwassererwärmung: vom Nutzenergiebedarf an der Zapfstelle über die Verluste von Rohrnetz, Zirkulation und Speicher bis zur Endenergie des Wärmeerzeugers. In gut gedämmten Wohngebäuden macht die Trinkwassererwärmung einen beachtlichen Teil des gesamten Wärmebedarfs aus; deshalb lohnt ein genauer Blick auf Netz, Zirkulation und Speicher.
Aufgabe und Aufbau von Teil 8
Teil 8 trägt den Titel „Nutz- und Endenergiebedarf von Warmwasserbereitungssystemen“. Eine Anlage besteht aus Übergabe (Zapfstelle), Verteilung, bei Bedarf einem Speicher und einem Aufheizsystem. Gerechnet wird für das ganze Gebäude, solange es von derselben Anlagentechnik versorgt wird. Werden Bereiche unterschiedlich versorgt oder genutzt – etwa Wohnungen und Büros im selben Haus –, sind sie getrennt zu berechnen.
Wie in Teil 5 gilt: Verluste innerhalb der beheizten Zone kommen den Räumen zugute. Sie werden als ungeregelte Wärmeeinträge an Teil 2 übergeben. Die Endenergie für die Trinkwassererwärmung geht, wie die der Heizung, in Teil 1 ein.
Ein Grundsatz der Norm verdient Beachtung: Fehlen Produktdaten, sind Standardwerte einzusetzen. Diese bilden nach dem Wortlaut der Norm Geräte am unteren Durchschnitt des Marktes ab. Mit konkreten Hersteller- oder Planungswerten fällt das Ergebnis deshalb in der Regel günstiger aus.
Nutzenergie und Übergabe an der Zapfstelle
Der Nutzenergiebedarf Q_w,b ist die Wärme, die nötig ist, um das gezapfte Wasser von der Kaltwasser- auf die Zapftemperatur zu bringen – physikalisch schlicht Wassermenge mal spezifische Wärmekapazität mal Temperaturhub. Als Kaltwassertemperatur setzt die Norm 10 °C an. Die Standardwerte für den Bedarf stehen in Teil 10: für Wohngebäude als flächenbezogener Kennwert, der von der mittleren Nettogrundfläche je Wohneinheit abhängt (kleinere Wohnungen haben einen höheren Wert je Quadratmeter, mit einer Untergrenze), für Nichtwohngebäude je Nutzung.
Die Übergabe hat in Teil 8 keine eigenen Verluste: Warmes Wasser, das ungenutzt ausläuft, steckt bereits im Nutzenergiebedarf. Korrigiert wird nur in zwei Fällen:
- Thermostatarmaturen oder elektronisch geregelte Durchlauferhitzer an Duschen (oder Wannen ohne separate Dusche) vermeiden Mischverluste; der Bedarf sinkt um 2 % (Faktor 0,98).
- Hydraulisch gesteuerte Durchlauferhitzer brauchen einen Mindestvolumenstrom; der Bedarf steigt um 5 % (Faktor 1,05).
Systeme mit bauartbedingter Volumenstrombegrenzung dürfen den Bedarf nur im Rahmen einer Energieberatung mindern, nicht im öffentlich-rechtlichen Nachweis.
Temperaturen und Randbedingungen
Die allgemeinen Randbedingungen fasst Tabelle 6 der Ausgabe 2018-09 zusammen. Sie gelten, wenn keine Werte aus Teil 2 oder aus der Planung vorliegen:
| Größe | Standardwert |
|---|---|
| Umgebung im beheizten Bereich | 20 °C |
| Umgebung außerhalb der beheizten Zone | 13 °C |
| mittlere Netztemperatur mit Zirkulation oder Temperaturhalteband | 57,5 °C |
| mittlere Speichertemperatur | 55 °C |
| Kaltwasser | 10 °C |
| Temperaturspreizung im Zirkulationskreis | 5 K |
Ohne Zirkulation oder mit Temperaturhalteband ist die Speichertemperatur um 5 K niedriger anzusetzen. Individuelle Speichertemperaturen sind bis hinunter zu 40 °C zulässig; die Netztemperatur liegt dann 2,5 K unter der eingestellten Warmwasser-Solltemperatur. Ohne Zirkulation hängt die mittlere Netztemperatur von der Dämmung der Leitung ab: je besser gedämmt, desto länger bleibt das Wasser in der Leitung warm.
Verteilung, Zirkulation und Netztypen
Der Verlust eines Rohrabschnitts folgt demselben Muster wie bei der Heizung: Q = U · L · Δθ · t. Bei Anlagen mit Zirkulation unterscheidet die Norm zwei Zustände. Während die Zirkulationspumpe läuft, gilt die volle Netztemperatur; während der Unterbrechung werden die Zirkulationsleitungen mit der halben Gesamtlänge und der niedrigeren Temperatur ohne Zirkulation gerechnet. Die tägliche Laufzeit der Zirkulationspumpe ergibt sich bei Wohngebäuden aus der versorgten Fläche – im Einfamilienhaus höchstens 24 Stunden, im Mehrfamilienhaus zwischen 16 und 24 Stunden. In Nichtwohngebäuden entspricht sie der täglichen Nutzungszeit. Ein selbstregelndes Temperaturhalteband wird wie eine Hilfsenergie behandelt, weil es mit Strom beheizt wird.
Die Zirkulationspumpe verbraucht zusätzlich Strom; der Hilfsenergiebedarf wird wie bei der Heizungspumpe über hydraulischen Bedarf und Aufwandszahl bestimmt. Nach § 64 GModG muss eine neu eingebaute Zirkulationspumpe selbsttätig ein- und ausschalten.
Ohne Rohrnetzplanung liefern Standardformeln die Längen der Bereiche V (horizontale Verteilung), S (Stränge) und SL (Stichleitungen ohne Zirkulation). Maßgebend sind der Netztyp, die Gebäudegruppe und ob es sich um ein Ein- oder Mehrzonengebäude handelt:
| Netztyp | Grundprinzip | typisch |
|---|---|---|
| I – Steigestrangtyp | Etagen über Steigestränge verbunden, Anbindung ab dem Strang | Mehrfamilienhaus |
| II – Ebenentyp | ebenenweiser Zusammenschluss, Anbindung ab der Verteilebene | Ein- und Zweifamilienhaus |
| III – dezentrale Versorgung | nur Anbindeleitungen, wenige Zapfstellen je Erzeuger | Durchlauferhitzer, Kleinspeicher |
Die Gebäudegruppen weichen von denen der Heizung ab: Für zentrale Netze gibt es die Gruppen 1 bis 4, für dezentrale die Gruppen 5 bis 8. Bei dezentraler Versorgung zählen nur Stichleitungen, standardmäßig 1 m je Gerät bei einer Zapfstelle, 3 m bei mehreren Zapfstellen in einem Raum, 4 m bei angrenzenden Räumen mit gemeinsamer Installationswand und 6 m bei wohnungszentraler Versorgung. Ist die Zahl der Geräte unbekannt, gilt eines je Wohneinheit, ersatzweise eines je 80 m² Nettogrundfläche. Dezentrale Netze haben keine Pumpe und damit keine Hilfsenergie im Verteilnetz.
Speicher
Ein indirekt beheizter Trinkwarmwasserspeicher wird über seinen Bereitschaftsverlust bewertet, gemessen bei 45 K Differenz zwischen Speicherwasser und Aufstellraum und auf die tatsächlichen Temperaturen umgerechnet. Die Norm wertet die gesamte abgegebene Wärme als Verlust. Steht der Speicher im selben Raum wie der Erzeuger, deckt ein Zuschlag von 20 % (Faktor 1,2) die Verbindungsleitungen ab; stehen beide getrennt, werden die Leitungen nach Teil 5 gerechnet, vereinfacht mit dem doppelten lichten Abstand als Länge. Steht der Speicher in der beheizten Zone, wird sein Verlust als Wärmeeintrag in Teil 2 berücksichtigt.
Elektrisch beheizte Speicher haben ein eigenes Messverfahren; der Standardwert entspricht 80 % der Mindestanforderung der zugehörigen Produktnorm. Gasbeheizte Vorratswasserheizer werden getrennt behandelt, für ihren Erzeugerwirkungsgrad nennt die Norm 84 %. Bei bivalenten Solarspeichern zählt nur der Teil, der für den Komfort ständig nachgeheizt wird.
Wärmeerzeuger und Solaranlage
Stehen mehrere Erzeuger zur Verfügung – etwa Solaranlage, Kessel und elektrische Zusatzheizung –, wird der Wärmebedarf der Verteilsysteme auf sie aufgeteilt. Solarertrag und die Wärme eines Wohnungslüftungsgeräts werden vorab abgezogen; nur der Rest geht an den nachgeschalteten Erzeuger. Diese Reihenfolge ist entscheidend: Wird der Solarertrag erst nach dem Kessel verrechnet, fallen Kesselverluste und Primärenergie zu hoch aus.
Der Solarertrag wird aus einem mittleren Tagesgang der Einstrahlung ermittelt, den die Norm aus dem Testreferenzjahr (Ausgabe September 2014) der Klimaregion bildet; Kollektororientierungen werden dem nächsten 45°-Schritt zugeordnet. Hinzu kommt die Hilfsenergie der Solarpumpe. Für den Nachweis nach GModG bleibt der Anteil, den gebäudenah gewonnene solare Strahlungsenergie deckt, beim Endenergiebedarf unberücksichtigt (§ 20 Abs. 4). Ab dem 01.01.2027 präzisiert die Neufassung dieses Absatzes, dass solare Strahlungsenergie aus einer solarthermischen Anlage gemeint ist.
Für die übrigen Erzeuger enthält Teil 8 eigene Abschnitte:
- Heizkessel werden wie in Teil 5 gerechnet. In der Stillstandszeit gilt bei laufender Zirkulation eine mittlere Kesseltemperatur von 50 °C, bei Umlaufwasserheizern, Kombikesseln und Systemen ohne Zirkulation 40 °C. Deshalb verursacht ein Kessel im Sommer, wenn er nur für Warmwasser bereitsteht, spürbare Bereitschaftsverluste.
- Elektro-Durchlauferhitzer haben keine gesonderte Hilfsenergie; bei hydraulischer Steuerung rechnet die Norm mit einem Zuschlag von 1 % auf die Erzeugerwärme.
- Gas-Durchlauferhitzer werden wie Kessel bewertet, zuzüglich einer ständig brennenden Zündflamme, sofern vorhanden.
- Wohnungsstationen erwärmen im Durchfluss ohne Erzeugerverluste und ohne Hilfsenergie; ihre Wärmeverluste als Station bewertet Teil 5.
- Wärmepumpen, Fernwärme (Trinkwarmwasser im Vorrang), Wärmerückgewinnung aus Duschabwasser, Sorptions-Gaswärmepumpen und eingebundene Einzelfeuerstätten haben eigene Abschnitte.
Ausgaben und Rechtsstand
§ 20 Abs. 1 GModG verweist derzeit auf DIN V 18599:2018-09, ab dem 01.01.2027 auf DIN/TS 18599:2025-10 (Artikel 2 Nr. 8 in Verbindung mit Artikel 9 Abs. 2). Nach der Sichtung des Büros ist Teil 8 in der neuen Reihe inhaltlich gleich geblieben. Geändert hat sich Teil 10, und zwar auch die Tabelle der Trinkwarmwasser-Kennwerte für Nichtwohngebäude – der Nutzenergiebedarf kann sich also ändern, die Rechenregeln von Teil 8 nicht.
Deutlich sind dagegen die Unterschiede zur älteren Ausgabe 2011-12: Dort lagen die mittlere Netztemperatur mit Zirkulation und die mittlere Speichertemperatur bei 50 °C, 2018-09 setzt 57,5 °C und 55 °C an; der Solarertrag wurde nach einem Monatsverfahren statt über den Tagesgang aus dem Testreferenzjahr gerechnet. Ältere Rechenbeispiele ergeben deshalb kleinere Verteil- und Speicherverluste. Wie sich das an einem Einfamilienhaus auswirkt, zeigt die Beispielrechnung.
Häufige Fragen
Was regelt DIN V 18599 Teil 8?
Teil 8 berechnet den Nutz- und Endenergiebedarf der Trinkwassererwärmung. Er umfasst Übergabe, Verteilung mit Zirkulation, Speicherung und Erzeugung einschließlich Solaranlagen, Wärmepumpen und Durchlauferhitzern. Die Ergebnisse gehen in Teil 1 und als Wärmeeinträge in Teil 2 ein.
Warum hat die Übergabe beim Trinkwarmwasser keine Verluste?
Das ungenutzt auslaufende warme Wasser ist bereits im Nutzenergiebedarf enthalten. Deshalb setzt die Norm Übergabeverluste und Hilfsenergie der Übergabe zu null. Nur für Thermostatarmaturen und hydraulisch gesteuerte Durchlauferhitzer wird der Bedarf mit einem Faktor korrigiert.
Welche Temperaturen setzt Teil 8 an?
Ohne Planungswerte gelten nach Tabelle 6 der Ausgabe 2018-09 unter anderem 57,5 °C mittlere Netztemperatur mit Zirkulation, 55 °C mittlere Speichertemperatur und 10 °C Kaltwasser. Ohne Zirkulation ist die Speichertemperatur um 5 K niedriger anzusetzen.
Welcher Netztyp gilt für ein Einfamilienhaus?
Für Ein- und Zweifamilienhäuser passt meist Netztyp II, der Ebenentyp, für Mehrfamilienhäuser Netztyp I, der Steigestrangtyp. Entscheidend ist aber die tatsächliche Installation. Dezentrale Versorgung mit Durchlauferhitzern oder Kleinspeichern ist Netztyp III.
Zählt der Solarertrag als Endenergie?
Im Nachweis nach GModG nicht: § 20 Abs. 4 nimmt Anteile, die durch gebäudenah gewonnene solare Strahlungsenergie gedeckt werden, aus dem Endenergiebedarf heraus. Der Solarertrag verringert die Wärme, die der Kessel oder die Wärmepumpe liefern muss. Die Hilfsenergie der Solarpumpe wird dagegen als Strom bilanziert.
Warum verbraucht ein Heizkessel im Sommer Energie, obwohl nicht geheizt wird?
Der Kessel hält im Sommer die Warmwasserbereitung verfügbar und hat Bereitschaftsverluste. Die Norm rechnet in der Stillstandszeit mit einer mittleren Kesseltemperatur von 50 °C bei laufender Zirkulation. Daher sind die Erzeugerverluste der Trinkwassererwärmung im Sommer oft höher als im Winter, wenn der Kessel ohnehin für die Heizung läuft.
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