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Individueller Sanierungsfahrplan (iSFP): Sanierung mit System planen

Der individuelle Sanierungsfahrplan (iSFP) ist ein standardisiertes Beratungsdokument, das die energetische Sanierung eines Wohngebäudes als abgestimmte Schrittfolge über mehrere Jahre plant. Er entsteht aus einer Vor-Ort-Datenaufnahme und einer energetischen Bilanz, ordnet alle sinnvollen Maßnahmen zu Paketen mit Zeithorizont und zeigt für jeden Schritt Energieeinsparung, Kostenrahmen und Zielzustand. Wer Maßnahmen aus einem iSFP umsetzt, kann bei der Förderung zudem von einem Bonus profitieren.

Was ist ein individueller Sanierungsfahrplan?

Der iSFP ist das vom Bund entwickelte, bundeseinheitliche Format für die geförderte Energieberatung von Wohngebäuden. Anders als ein freier Beratungsbericht folgt er einer festen Struktur mit zwei Kerndokumenten: dem Fahrplan selbst — einer kompakten, farbcodierten Übersicht „Mein Sanierungsfahrplan" — und der ausführlichen „Umsetzungshilfe" mit den technischen Details zu jedem Maßnahmenpaket. Diese Standardisierung hat einen praktischen Wert: Jeder spätere Beteiligte, vom Heizungsbauer bis zum Fördersachbearbeiter, findet die Angaben an derselben Stelle im selben Format.

Der entscheidende Unterschied zu einer Sammlung von Einzelempfehlungen ist die Reihenfolge-Logik. Ein Gebäude ist ein System: Dämmstandard, Heizlast, Vorlauftemperatur, Heizflächen, Fensterqualität und Lüftung hängen voneinander ab. Der Fahrplan legt fest, welcher Schritt wann kommt, damit kein Schritt einen späteren verbaut — die neue Heizung wird zum Beispiel auf den Zustand nach der Dämmung ausgelegt, nicht auf den heutigen.

So entsteht ein iSFP: der Ablauf

1. Datenaufnahme vor Ort

Am Anfang steht die Begehung des Gebäudes: Aufmaß und Zustand aller Hüllflächen (Außenwände, Dach oder oberste Geschossdecke, Kellerdecke, Fenster, Türen), Aufnahme der Anlagentechnik für Heizung, Warmwasser und Lüftung, Dokumentation von Wärmebrücken und Feuchteauffälligkeiten. Ergänzend werden die Verbrauchsabrechnungen der letzten Jahre gesichtet — sie dienen später der Plausibilisierung der Bilanz. Aus 25 Jahren Praxis: Die Stunde im Keller und auf dem Dachboden ist die wertvollste des ganzen Termins, denn dort zeigt sich der wirkliche Zustand eines Hauses.

2. Energetische Bilanz

Auf Basis der Aufnahme wird das Gebäude energetisch bilanziert: Transmissions- und Lüftungswärmeverluste, solare und interne Gewinne, Verluste der Anlagentechnik. Ergebnis sind End- und Primärenergiebedarf sowie die CO₂-Emissionen des Ist-Zustands. Die Bilanz wird gegen die realen Verbräuche plausibilisiert — weicht sie deutlich ab, wird nachgefragt statt schöngerechnet.

3. Maßnahmenpakete schnüren

Die eigentliche Planungsarbeit: Einzelmaßnahmen werden zu sinnvollen Paketen gebündelt und in eine Reihenfolge gebracht. Kriterien sind bauphysikalische Abhängigkeiten (Fenster nie besser als die umgebende Wand ohne Lüftungskonzept), Kopplungsvorteile (Gerüst steht — also Fassade und Dachüberstand in einem Zug), Restlebensdauer der Anlagen und das Budget der Eigentümer. Jedes Paket erhält Energieeinsparung, CO₂-Wirkung, Kostenrahmen und den erreichten Zwischenzustand.

4. Fahrplandokument und Abschlussgespräch

Die Ergebnisse werden im standardisierten iSFP-Format zusammengestellt und im Abschlussgespräch durchgesprochen: Was ist der Zielzustand, was kostet welcher Schritt, was bringt er, und womit fangen Sie an. Der Fahrplan gehört Ihnen — er verpflichtet zu nichts, aber er macht jede spätere Entscheidung schneller und sicherer.

Was der Fahrplan konkret enthält

Ein vollständiger iSFP beantwortet für jedes Maßnahmenpaket vier Fragen: Was wird gemacht (Bauteile, Qualitäten, Anlagentechnik), was bringt es (Energie- und CO₂-Einsparung, erreichter Zwischenstand), was kostet es (Kostenrahmen mit Instandhaltungs- und energiebedingtem Anteil getrennt) und worauf ist zu achten (bauphysikalische Hinweise, Abhängigkeiten zum nächsten Schritt). Dazu kommen die Darstellung des Ist-Zustands mit den erfassten Bauteilen und U-Werten, der definierte Zielzustand des Gebäudes und die Einordnung, welche Schritte förderfähig sind. Die Trennung von Instandhaltungs- und energiebedingten Kosten ist dabei mehr als Formalie: Wer die ohnehin fällige Dachsanierung komplett der Energetik zurechnet, rechnet jede Maßnahme künstlich schlecht — der Fahrplan weist beides getrennt aus und macht die Wirtschaftlichkeit damit erst ehrlich beurteilbar.

Sanierung in Schritten oder Gesamtsanierung?

Beides ist legitim, und der iSFP bildet beides ab. Die Gesamtsanierung in einem Zug ist technisch die sauberste Lösung: keine Übergangszustände, ein Gerüst, ein Bauablauf, die Anlagentechnik wird sofort auf den Endzustand ausgelegt. Sie erfordert aber freies Kapital und meist ein zeitweise geräumtes Haus. Die Schritt-für-Schritt-Sanierung verteilt Kosten und Belastung über Jahre und passt zu bewohnten Gebäuden — sie funktioniert aber nur gut, wenn die Schritte von Anfang an aufeinander abgestimmt sind. Genau dafür ist der Fahrplan da: Er verhindert die typischen Fehlfolgen, etwa neue Fenster in der ungedämmten Wand ohne Lüftungskonzept oder einen überdimensionierten Wärmeerzeuger, der nach der späteren Dämmung im ineffizienten Taktbetrieb läuft.

Eine ehrliche Einordnung gehört dazu: Bei sehr schlechtem Ausgangszustand und ohnehin anstehender Großinstandsetzung kann die Gesamtsanierung wirtschaftlicher sein als viele Einzelschritte. Der Fahrplan rechnet beide Wege durch, statt einen davon zu verkaufen.

Der iSFP-Bonus: das Prinzip

Die Bundesförderung honoriert planvolles Sanieren: Wird eine Einzelmaßnahme umgesetzt, die in einem gültigen individuellen Sanierungsfahrplan enthalten ist, erhöht sich der Fördersatz um einen Bonus, und in bestimmten Konstellationen steigen auch die anrechenbaren Höchstkosten. Konkrete Prozentwerte und Obergrenzen nennen wir hier bewusst nicht, weil sich die Programmbedingungen ändern — die jeweils aktuellen Konditionen finden Sie in der Förderübersicht. Das Prinzip bleibt: Der Fahrplan kostet einmal Honorar und verbessert danach die Förderung mehrerer aufeinanderfolgender Maßnahmen. Bei einer typischen Schrittsanierung übersteigt dieser Fördervorteil die Beratungskosten deutlich.

Wie lange ist ein iSFP gültig?

Der Fahrplan ist über einen mehrjährigen Zeitraum als Grundlage für den Förderbonus nutzbar; den aktuell maßgeblichen Zeitraum entnehmen Sie bitte der Förderübersicht. Unabhängig von dieser förderrechtlichen Frist gilt fachlich: Ein Fahrplan sollte fortgeschrieben werden, wenn sich Wesentliches ändert — ein Heizungsdefekt, der die Reihenfolge umwirft, geänderte Anforderungen im Gebäudeenergiegesetz oder neue Lebensumstände der Eigentümer. Die Datenaufnahme und die Bilanz sind dann bereits vorhanden; eine Fortschreibung ist deutlich weniger Aufwand als eine Neuerstellung.

Typische Fehler beim Sanierungsfahrplan

  • Fahrplan ohne echte Vor-Ort-Aufnahme: Wer nur aus Unterlagen bilanziert, übersieht Wärmebrücken, Feuchteschäden und den realen Anlagenzustand. Das Ergebnis sieht ordentlich aus, trägt aber nicht.
  • Maßnahmen isoliert bewertet: Jede Maßnahme einzeln „rechnet sich" — aber die Wechselwirkungen fehlen. Ein Fahrplan, der die Heizlast nach Dämmung nicht neu ermittelt, führt fast sicher zu einer überdimensionierten Anlage.
  • Lüftung vergessen: Dichtere Fenster und Hülle ohne Lüftungskonzept sind der klassische Weg zu Schimmel. Ein Lüftungskonzept nach DIN 1946-6 gehört in jeden Fahrplan mit Fenstertausch.
  • Fahrplan als Pflichtübung für den Bonus: Wer den iSFP nur „für die Förderung" erstellen lässt und die Reihenfolge dann ignoriert, verschenkt den eigentlichen Wert — die Vermeidung teurer Umplanungen.
  • Zu optimistische Kostenansätze: Veraltete Kostenkennwerte führen zu Fahrplänen, deren Budgetrahmen bei der ersten Angebotseinholung zerbricht. Kostenansätze müssen regional und aktuell sein und einen Puffer enthalten.
  • Sommerlicher Wärmeschutz ignoriert: Gedämmte Dächer und größere Fensterflächen verändern das Sommerverhalten. Verschattung und Speichermassen gehören mitgedacht, sonst wird das sanierte Haus im Juli zum Problem.

Honorar und Förderung der Fahrplan-Erstellung

Als Orientierungswerte (Stand 2026): Für Ein- und Zweifamilienhäuser liegt das Honorar für einen vollständigen iSFP typischerweise im Bereich von etwa 1.300 bis 2.500 Euro, bei Mehrfamilienhäusern je nach Wohnungszahl darüber. Die Erstellung selbst ist als Energieberatung für Wohngebäude förderfähig; die aktuellen Konditionen finden Sie in der BAFA-Übersicht. Wer sich vorab ein eigenes Bild machen will, kann mit den frei verfügbaren Rechnern dieser Website Bauteile prüfen und Sanierungsvarianten wirtschaftlich vergleichen.

Selbst rechnen — frei verfügbare Werkzeuge

  • Sanierungsfahrplan-Werkzeug — stellt Maßnahmenpakete zusammen und zeigt Schritt für Schritt die energetische Entwicklung Ihres Gebäudes.
  • Sanierungs-Wirtschaftlichkeit — vergleicht Sanierungsvarianten nach Kosten, Einsparung und Amortisation.
  • U-Wert-Rechner — prüft Bauteilaufbauten und Dämmstärken Schicht für Schicht vor der Maßnahmenentscheidung.
  • Finanzierungsrechner — rechnet die Finanzierung der Maßnahmenpakete mit Tilgungsverlauf durch.

Alle Werkzeuge laufen direkt im Browser und sind ohne Registrierung nutzbar. Für die regelmäßige Nutzung bitten wir um eine kurze Anmeldung.

Was Sie sich sparen

Variantenvergleiche, U-Wert-Nachweise, Maßnahmen-Staffelung und Finanzierungsrechnungen sind der Kern jeder Fahrplan-Erstellung — Berechnungen, für die sonst Energieberater-Fachsoftware nötig wäre, die typischerweise mehrere hundert bis über tausend Euro pro Jahr kostet. Hier laufen sie frei zugänglich im Browser, und über den gemeinsamen Projektspeicher greifen alle Rechner auf dieselben Gebäudedaten zu.

Häufige Fragen

Verpflichtet mich der iSFP zur Umsetzung der Maßnahmen?

Nein. Der Fahrplan ist ein Beratungsdokument, keine Verpflichtung. Sie entscheiden, ob, wann und in welchem Umfang Sie Maßnahmen umsetzen. Auch eine geänderte Reihenfolge ist möglich — sinnvoll ist dann eine kurze fachliche Prüfung, ob die Abhängigkeiten zwischen den Schritten gewahrt bleiben.

Für welche Gebäude kann ein iSFP erstellt werden?

Der iSFP ist für Wohngebäude konzipiert, vom Einfamilienhaus bis zum Mehrfamilienhaus. Für gemischt genutzte Gebäude wird der Wohnteil betrachtet; für reine Nichtwohngebäude gibt es eigene Beratungsformate mit anderer Systematik.

Wie lange dauert die Erstellung eines Sanierungsfahrplans?

Vom Vor-Ort-Termin bis zum fertigen Fahrplan vergehen üblicherweise vier bis acht Wochen. Der Termin selbst dauert je nach Gebäude ein bis drei Stunden; die meiste Zeit entfällt auf Bilanzierung, Variantenrechnung und die Ausarbeitung der Dokumente.

Was unterscheidet den iSFP von einem normalen Beratungsbericht?

Inhaltlich basieren beide auf derselben Analyse. Der iSFP folgt jedoch einem bundeseinheitlichen, farbcodierten Format mit Fahrplan und Umsetzungshilfe und ist die anerkannte Grundlage für den Förderbonus bei Einzelmaßnahmen. Ein freier Bericht kann individueller auf Spezialfragen eingehen, löst aber keinen Bonus aus.

Bekomme ich mit dem iSFP automatisch mehr Förderung?

Nicht automatisch. Der Bonus greift, wenn eine geförderte Einzelmaßnahme umgesetzt wird, die im gültigen Fahrplan enthalten ist, und er wird mit dem Förderantrag der jeweiligen Maßnahme geltend gemacht. Die aktuellen Bedingungen und Sätze finden Sie in der Förderübersicht dieser Website.

Muss ich die Reihenfolge des Fahrplans einhalten?

Förderrechtlich nicht — jede im Fahrplan enthaltene Maßnahme kann grundsätzlich den Bonus auslösen. Fachlich ist die Reihenfolge aber der eigentliche Wert des Dokuments: Sie stellt sicher, dass kein Schritt einen späteren technisch oder wirtschaftlich verbaut. Abweichungen sollten deshalb kurz gegengeprüft werden.

Was passiert, wenn die Heizung vor dem geplanten Schritt ausfällt?

Dann wird der Fahrplan zur wertvollsten Unterlage im Haus: Er enthält bereits die Heizlast und den Zielzustand der Hülle, sodass die Ersatzanlage richtig dimensioniert und nicht am heutigen, unsanierten Zustand ausgerichtet wird. Der Fahrplan wird anschließend fortgeschrieben.

Ist ein iSFP auch bei geplanter Gesamtsanierung sinnvoll?

Ja, dann dient er als Zieldefinition und Kostenrahmen für die Gesamtmaßnahme und dokumentiert den Weg zum Effizienzhaus-Standard. Ob die Umsetzung in einem Zug oder in Schritten erfolgt, ändert an der notwendigen Analyse wenig — nur die Paketierung unterscheidet sich.

Welche Unterlagen brauche ich für die Fahrplan-Erstellung?

Ideal sind Grundrisse, Schnitte, Baubeschreibung, Verbrauchsabrechnungen der letzten drei Jahre und Unterlagen zu früheren Modernisierungen. Fehlt etwas, wird vor Ort aufgemessen und aus Baujahr und Bauweise abgeleitet — das ist Alltag und kein Hindernis.

Kann ich Vorarbeit leisten, um das Honorar zu senken?

Eine gut vorbereitete Datenlage verkürzt die Aufnahme spürbar. Wenn Sie Bauteilflächen, Fensterliste und Verbräuche mit den Werkzeugen dieser Website bereits strukturiert erfasst haben, startet die Beratung auf einer geprüften Basis statt bei null — das spart Zeit im Termin und Rückfragen danach.

Fragen zum Thema? Kontakt zum Ingenieurbüro.

Autor: Dipl.-Ing. Rolf Krause · Energieberater (KfW EB473095) · Stand: 2026-08-07