Sommerlicher Wärmeschutz nach DIN 4108-2 – Rechner, Anleitung und Beispiel
Dokumentation & Handbuch
Sommerlicher Wärmeschutz Simulation v1.2 · bauphysik-fachberatung.de
Programmbeschreibung
Dynamische 1-Zonen-Simulation zur Bewertung des sommerlichen Raumklimas mit stündlichem Zeitschritt (Mai–September). Geeignet für Bauphysiker, TGA-Planer und Energieberater.
💡 Schnellstart: Preset wählen (Wohnen/Büro/DG), Standort einstellen → SIMULATION STARTEN. Varianten A/B/C unterschiedlich konfigurieren für Vergleiche.
Funktionsumfang
- Dynamische Energiebilanz – Solar, Transmission, Lüftung, Interne Last
- RC-Speichermasse – leicht / mittel / schwer
- Nachtlüftungslogik – regelbasiert mit Zeit- und Temperaturschwellen
- Dynamische Verschattung – strahlungsabhängig schaltbar
- Kühlleistungsberechnung – ideal mit COP und Leistungsgrenze
- 10 Klimastandorte – Hamburg bis München (TRY-Annäherung, Seed=42)
- 3 Varianten A/B/C – unabhängig und vergleichbar
Grenzen des Modells
- Vereinfachtes 1-Zonen-Modell – keine Raumkopplung, keine CFD
- Keine Feuchteberechnung / kein Taupunktnachweis
- Synthetische TRY-Wetterdaten (Annäherung, keine offiziellen DWD-Datensätze)
- Kein Anlagenregelungsmodell – nur idealer Kühler
Physikalisches Modell
Energiebilanz der Zone
Solare Gewinne
Transmission & Lüftung
Nachtlüftung – Aktivierungsbedingungen
- Stunde im Nachtfenster [nvStart – nvEnd]
- T_int > T_ext + ΔT_Schwelle
- T_ext ≤ T_ext,max
Thermische Speichermasse
| Bauweise | c_spez [kJ/m²K] | Typisch |
|---|---|---|
| Leicht | 20 | Holzrahmenbau, Gipskarton |
| Mittel | 60 | Mauerwerk, gemischt |
| Schwer | 120 | Stahlbeton, Vollstein |
Eingabeparameter
Geometrie & Bauphysik
| Parameter | Einheit | Typisch |
|---|---|---|
| Bodenfläche | m² | 15–100 |
| Raumhöhe | m | 2,4–3,5 |
| Außenwandfläche | m² | inkl. Fenster, Brutto |
| U-Wert Wand | W/m²K | GModG ≤ 0,24 |
| U-Wert Dach | W/m²K | GModG ≤ 0,16 |
Sonnenschutz – FC-Werte
| Typ | FC | Wirkung |
|---|---|---|
| Außenjalousie | 0,15 | Sehr effektiv |
| Außenmarkise | 0,25 | Effektiv |
| Vordach | 0,35 | Mäßig |
| Innenrollo hell | 0,55 | Begrenzt |
| Innengardine | 0,75 | Kaum wirksam |
Hinweis: g_eff = g · FC. Außenliegender Sonnenschutz (FC ≤ 0,25) ist um ein Vielfaches wirksamer als innenliegender.
Kühlleistungsberechnung
Ideales Kühlmodell
Systemtypen
| Typ | COP typ. | P_max |
|---|---|---|
| Idealer Kühler | 3,0 | ∞ |
| Split-Klimaanlage | 2,5–3,5 | ≤ 5 kW |
| Kaltwassersatz | 4,0–5,5 | ≥ 10 kW |
Ausgabe-Kennzahlen
- Peak-Kühllast [W] – Auslegungswert für Systemgröße
- Kühlenergie [kWh] – saisonaler Wärmebedarf Mai–Sept
- El. Aufwand [kWh] – Kühlenergie / COP = Strombedarf
Klimastandorte
Synthetische TRY-Annäherungen nach DWD-Klimastatistik. Für GModG-Nachweise sind die originalen DWD-TRY-Datensätze zu verwenden.
| Stadt | Lat / Höhe | T_Jul | Charakter |
|---|---|---|---|
| Hamburg | 53.6°N / 6m | 18,5°C | Küste, feucht, mild |
| Bremen | 53.1°N / 11m | 19,2°C | Maritim–kontinental |
| Berlin | 52.5°N / 34m | 21,5°C | Kontinental, trocken |
| Wesel/NRW | 51.7°N / 18m | 20,5°C | Tiefland Rhein, TRY-Z.5 |
| Köln | 50.9°N / 57m | 22,0°C | Rheintal, Wärmeinsel |
| Frankfurt | 50.1°N / 112m | 23,0°C | Stadtklima, sehr heiß |
| Leipzig | 51.3°N / 116m | 22,5°C | Kontinental, Hitzeinsel |
| Nürnberg | 49.5°N / 309m | 22,5°C | Fränkisches Becken |
| Stuttgart | 48.8°N / 256m | 22,5°C | Kessellage, kritisch |
| München | 48.1°N / 519m | 22,5°C | Alpenvorland, hohe Strahlung |
Ergebnis-Kennzahlen
Simulationszeitraum: 01. Mai – 30. September (3.672 h)
Stunden mit T_int > Grenzwert. Hauptkriterium DIN EN 15251. <100 h = gut · >500 h = kritisch.
Σ max(0, T_int−T_Grenz)·Δt. Erfasst auch Intensität. DIN 4108-2: < 1200 Kh (WG) bzw. < 500 Kh (NWG).
Arithmetisches Mittel T_int über Mai–Sept. Überblick über thermische Gesamtqualität.
Spitzenwert T_int. >35°C = unzumutbar.
Max. stündliche Kühllast – maßgebend für Auslegung des Kühlsystems.
Saisonale Kälteleistung × Zeit. Elektrisch = Kühlenergie / COP.
Normen & Planungshinweise
| Norm | Relevanz |
|---|---|
| DIN EN 15251 / EN 16798-1 | Kat. II: T_op ≤ 26°C, adaptives Komfortmodell |
| DIN 4108-2 | Gradstunden-Kriterium ≤ 1200 Kh/a (Wohngebäude) bzw. ≤ 500 Kh/a (Nichtwohngebäude); alternativ Sonneneintragskennwert-Verfahren |
| GModG §14 / Anlage 3 | Sonneneintragskennwert S ≤ S_zul |
| VDI 2078 | Kühllastberechnung Gebäude (instationär) |
| DIN EN ISO 13792 | Vereinfachte Sommertemperaturberechnung |
Bewertungs-Orientierung
| Kennzahl | 🟢 Gut | 🟡 Grenzwertig | 🔴 Kritisch |
|---|---|---|---|
| Übertemp.stunden | < 100 h | 100–500 h | > 500 h |
| Gradstunden | < 200 Kh | 200–1200 Kh | > 1200 Kh |
| T_max | < 28°C | 28–33°C | > 33°C |
💡 Außenverschattung (FC ≤ 0,25) ist die effektivste Einzelmaßnahme. Nachtlüftung wirkt besonders bei schwerer Bauweise und hohem Tag-Nacht-Delta (>8K).
Haftungshinweis
Diese Simulation dient der Planungsunterstützung und ersetzt keine normgerechte Berechnung nach GModG oder DIN 4108-2.
Häufige Fragen
Was ist sommerlicher Wärmeschutz?
Welche Übertemperaturgrenze gilt?
Was beeinflusst den sommerlichen Wärmeschutz am meisten?
Was ist der g-Wert und der F_c-Faktor?
Welche Arten von Sonnenschutz gibt es?
Was ist thermische Speichermasse?
Funktioniert Nachtlüftung als Kühlstrategie?
Wie funktioniert die Stundensimulation im Tool?
Wann ist eine Klimaanlage nötig?
Was kostet eine Kühllastüberschreitung?
Was ist der sommerliche Wärmeschutz?
Der sommerliche Wärmeschutz begrenzt den Sonnenenergieeintrag in einen Raum so weit, dass er im Sommer ohne Kühlung erträglich bleibt. Maßgeblich ist DIN 4108-2, die dafür zwei Wege kennt: das vereinfachte Verfahren über den Sonneneintragskennwert und die thermische Simulation mit Übertemperaturgradstunden.
Beim Sonneneintragskennwert wird der vorhandene Wert Svorh aus Fensterflächen, Gesamtenergiedurchlassgrad g und Sonnenschutz Fc gebildet und auf die Nettogrundfläche des Raums bezogen. Er muss kleiner oder gleich dem zulässigen Wert Szul sein, der sich aus Anteilswerten S1 bis S6 für Klimaregion, Bauart, Nachtlüftung, Fensterflächenanteil, Verglasung, Fensterneigung und Orientierung zusammensetzt.
Die Simulation rechnet stattdessen den Verlauf der operativen Raumtemperatur über den Sommer stundenweise durch. Bewertet wird die Summe aus Stunden mal Kelvin, um die eine Grenztemperatur überschritten wird: die Übertemperaturgradstunden. Der Rechner unten bietet beide Wege an: den Sonneneintragskennwert im Reiter „Sonneneintrag", die Stundensimulation in den Reitern Zone bis Bewertung.
Wann ist der Nachweis Pflicht?
Das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) verlangt in § 14, dass ein Gebäude so errichtet wird, dass der Sonnenenergieeintrag durch einen ausreichenden baulichen sommerlichen Wärmeschutz begrenzt wird. Der Nachweis gehört damit zu jedem Neubau, für Wohngebäude wie für Nichtwohngebäude, und ist Teil des Wärmeschutznachweises zum Bauantrag; Ablauf und Kosten des Wärmeschutznachweises beschreibt die Leistungsseite. Im Energieausweis eines neu errichteten Gebäudes wird die Einhaltung des sommerlichen Wärmeschutzes ausdrücklich angegeben.
Das Gesetz erkennt beide Wege der Norm an: Entweder überschreitet der Sonneneintragskennwert die Anforderungswerte der DIN 4108-2 nicht, oder eine Simulation nach der Norm zeigt, dass die für den Standort zulässigen Übertemperaturgradstunden eingehalten sind. Bei Gebäuden mit Kühlanlage, die über die Simulation nachgewiesen werden, sind bauliche Maßnahmen insoweit vorzusehen, wie sie sich über die Einsparung an Kühlenergie innerhalb ihrer Nutzungsdauer erwirtschaften.
Auf die Berechnung darf verzichtet werden, wenn der grundflächenbezogene Fensterflächenanteil eines Raums unter den in DIN 4108-2 tabellierten Grenzwerten bleibt; diese Grenzwerte hängen von Orientierung und Neigung der Fenster ab und sind der Norm-Tabelle zu entnehmen. Bei Erweiterung und Ausbau um mehr als 50 m² zusammenhängende Nutzfläche ist der sommerliche Wärmeschutz für die neuen Gebäudeteile ebenfalls nachzuweisen. Für die reine Sanierung ohne neue Räume besteht keine Nachweispflicht, das ausgebaute Dachgeschoss mit großen Dachflächenfenstern ist aber genau der Fall, in dem sich die Prüfung fachlich lohnt.
Normstand beachten: Bis Ende 2026 verweist das Gesetz auf DIN 4108-2:2013-02, Abschnitt 8. Mit dem zum 1. Januar 2027 in Kraft tretenden Artikel 2 des GModG wird § 14 neu gefasst und auf DIN 4108-2:2026-05 umgestellt (Sonneneintragskennwert nach Abschnitt 8.4, Simulation nach Abschnitt 8.5). Welche Ausgabe für Ihren Bauantrag gilt, richtet sich nach dem Zeitpunkt der Antragstellung.
Nachweis nach DIN 4108-2 oder Kühllastberechnung?
Die beiden Rechnungen werden oft verwechselt, beantworten aber verschiedene Fragen. Der Nachweis nach DIN 4108-2 fragt: Kommt der Raum ohne Kühlung aus? Er ist ein baulicher Nachweis, sein Ergebnis ist „erfüllt" oder „nicht erfüllt". Die Kühllastberechnung fragt: Wie viel Kälteleistung braucht der Raum, wenn gekühlt wird? Ihr Ergebnis ist eine Leistung in Watt für die Auslegung von Klimagerät oder Kaltwassersatz, gerechnet für den Auslegungstag nach VDI 2078.
Praktisch gehört die Reihenfolge so: erst den sommerlichen Wärmeschutz baulich ausschöpfen (Sonnenschutz, Verglasung, Speichermasse, Nachtlüftung), dann für die Räume, die trotzdem gekühlt werden müssen, die Kühllast bestimmen. Wer die Kühllast ohne Sonnenschutz rechnet, legt die Anlage für ein vermeidbares Problem aus. Den zweiten Schritt übernimmt der Kühllast-Rechner; die Reiter „Kühlung" und „Bewertung" des Rechners auf dieser Seite zeigen als Vorschau, welche Kühlleistung und welchen Strombedarf ein Raum bei gegebener Solltemperatur hätte.
Der kritische Raum
Der Nachweis wird raumweise geführt. Geprüft wird nicht das ganze Gebäude, sondern der Raum, bei dem das Verhältnis aus vorhandenem und zulässigem Sonneneintragskennwert am ungünstigsten ist. Ist dieser Raum in Ordnung, gilt der Nachweis als erbracht.
Kritisch sind in der Regel Räume mit großem Fensterflächenanteil nach Süden, Südwesten oder Westen, Dachflächenfenster (geneigte Verglasung fängt mehr Strahlung als senkrechte, deshalb der Abschlag S4), zweiseitig befensterte Eckräume und Wohnräume mit raumhoher Verglasung. Für einseitig befensterte Räume begrenzt die Norm die anrechenbare Raumtiefe auf das Dreifache der lichten Raumhöhe; ein tiefer Schlauchraum darf sich nicht mit Grundfläche weit hinten im Raum entlasten.
Wenn Ihr Projekt im Gebäudeprofil erfasst ist, übernimmt der Rechner die Räume mit Fenstern und Orientierungen aus dem CAD-Editor und findet über „Alle Räume prüfen" den kritischsten Raum selbst.
Sonnenschutz, Verglasung, Speichermasse, Nachtlüftung als Stellschrauben
Sonnenschutz. Der Abminderungsfaktor Fc wirkt direkt auf Svorh. Außenliegende Raffstores, Jalousien oder Rollläden halten die Strahlung vor der Scheibe ab und erreichen kleine Fc-Werte; innenliegende Rollos und Vorhänge lassen die Wärme erst in den Raum und wirken nur schwach. Fc gilt nach Norm-Tabelle in Abhängigkeit von Sonnenschutzart und Glaserzeugnis, der Rechner hinterlegt diese Tabelle.
Verglasung. Der g-Wert bestimmt, welcher Anteil der Strahlung durch das Glas gelangt. Sonnenschutzglas mit g ≤ 0,40 senkt Svorh und bringt zusätzlich den Anteilswert S3; im Winter kostet es allerdings solare Gewinne, die im Wärmeschutznachweis fehlen. Den U-Wert des Fensters prüfen Sie im Fenster-U-Wert-Rechner.
Speichermasse. Die Bauart leicht, mittel oder schwer beschreibt die wirksame Wärmespeicherfähigkeit des Raums. Schwere Decken und Wände nehmen tagsüber Wärme auf und geben sie nachts ab; ein Holzrahmenbau mit Gipskartonschalen kann das nicht und heizt sich schneller auf. Der Anteilswert S1 steigt mit der Bauart.
Nachtlüftung. Erhöhte oder hohe Nachtlüftung kühlt die Speichermasse zurück und hebt S1 deutlich an, in Wohngebäuden ist sie der zweitgrößte Hebel nach dem Sonnenschutz. Sie ist nur anrechenbar, wenn die Fenster nachts sicher geöffnet werden können oder eine Lüftungsanlage die Luftmengen liefert; der Lüftungsrechner zeigt, ob die Anlage das schafft.
Welche Eingaben der Rechner braucht
Für den Nachweis über den Sonneneintragskennwert (Reiter „Sonneneintrag"):
- Sommerklimaregion A, B oder C — aus der Klimakarte der DIN 4108-2 nach dem Standort; der Niederrhein liegt in Region B.
- Nutzung Wohngebäude oder Nichtwohngebäude — entscheidet über die S1-Zeile und die S2-Formel.
- Bauart leicht, mittel oder schwer — aus den Bauteilaufbauten des Raums (wirksame Wärmespeicherfähigkeit nach Norm).
- Nachtlüftung ohne, erhöht oder hoch — aus dem Lüftungskonzept.
- Verglasungsklasse Sonnenschutzglas g ≤ 0,40, Zweifach- oder Dreifachglas g > 0,40 — aus dem Fensterdatenblatt.
- Raummaße Tiefe, Breite, Höhe oder direkt die Nettogrundfläche AG, mit Schalter für einseitig befensterte Räume.
- Je Fenster: Orientierung, Fläche Aw im lichten Rohbaumaß, g-Wert, Sonnenschutzart (Fc-Auswahl) und Neigung — aus Grundriss, Fensterliste und Sonnenschutzplanung.
- Passive Kühlung als Schalter, wenn eine Bauteilaktivierung oder Erdsonde den Raum kühlt (Anteilswert S6).
Für die Stundensimulation (Reiter Zone bis Bewertung) kommen hinzu: Standort aus zehn Städten, Bodenfläche, Raumhöhe, Außenwand- und Dachfläche mit U-Werten (aus dem U-Wert-Rechner), Fensterflächen bis vier Orientierungen mit g-Wert, U-Wert und Neigung, Sonnenschutztyp mit optionaler strahlungsgesteuerter Aktivierung, Luftwechsel am Tag und in der Nacht, Zeitfenster und Auslösetemperatur der Nachtlüftung, interne Lasten aus Personen, Geräten und Beleuchtung mit Nutzungsprofil sowie Grenztemperatur und Gradstunden-Grenzwert. Die Simulation arbeitet mit synthetischen Testreferenzjahren und ist als Planungsvorschau gedacht; der rechtsverbindliche Simulationsnachweis verlangt die Randbedingungen und Klimadatensätze der Norm.
Beispielrechnung
Wohnzimmer eines Neubaus am Niederrhein, Sommerklimaregion B, Bauart mittel (Kalksandstein, Betondecke), erhöhte Nachtlüftung über Fenster. Nettogrundfläche AG = 5,0 m × 4,0 m = 20 m². Ein Fensterband nach Südwesten, Aw = 5,0 m² im Rohbaumaß, Zweifach-Wärmeschutzglas mit g = 0,60.
Schritt 1 — Fensterflächenanteil: fWG = Aw / AG = 5 / 20 = 0,25.
Schritt 2 — zulässiger Sonneneintragskennwert nach DIN 4108-2:2013-02, Tabelle 8:
| Anteilswert | Ansatz | Wert |
|---|---|---|
| S1 | Wohngebäude, erhöhte Nachtlüftung, Bauart mittel, Region B | 0,103 |
| S2 | 0,060 − 0,231 · fWG = 0,060 − 0,231 · 0,25 | 0,002 |
| S3 | kein Sonnenschutzglas (g > 0,40) | 0 |
| S4 | keine geneigten Fenster | 0 |
| S5 | keine Nordfenster | 0 |
| S6 | keine passive Kühlung | 0 |
| Szul | Summe | 0,105 |
Schritt 3 — vorhandener Sonneneintragskennwert: Svorh = Σ (Aw · g · Fc) / AG, in drei Varianten des Sonnenschutzes:
| Variante | Fc | Svorh | Nachweis |
|---|---|---|---|
| ohne Sonnenschutz | 1,00 | 5 · 0,60 · 1,00 / 20 = 0,150 | nicht erfüllt (0,150 > 0,105) |
| innenliegendes helles Rollo | 0,75 | 5 · 0,60 · 0,75 / 20 = 0,113 | nicht erfüllt (0,113 > 0,105) |
| außenliegender Raffstore, Lamellen 45° | 0,25 | 5 · 0,60 · 0,25 / 20 = 0,038 | erfüllt (0,038 ≤ 0,105) |
Erst der außenliegende Sonnenschutz bringt den Raum durch den Nachweis, und zwar mit deutlicher Reserve. Die Reserve ist nötig: Entfällt die Nachtlüftung, sinkt S1 auf 0,067 und Szul auf 0,069; der Raffstore hält den Nachweis mit 0,038 weiterhin, das Innenrollo läge dann noch weiter daneben. Genau diese Varianten können Sie im Rechner oben nachstellen, indem Sie Sonnenschutz und Nachtlüftung umschalten.
Typische Fehler
- Nachweis am falschen Raum. Geprüft wird das Kinderzimmer nach Norden, das Wohnzimmer mit Westverglasung bleibt unbetrachtet. Folge: Der Nachweis ist wertlos, die Überhitzung kommt trotzdem. Abhilfe: alle Räume mit Fenstern durchgehen und den ungünstigsten führen.
- Innenliegender Sonnenschutz als Lösung. Ein Vorhang wird mit Fc eines Raffstores angesetzt. Folge: Svorh ist zu klein gerechnet, der reale Raum wird heiß. Abhilfe: Fc strikt nach Norm-Tabelle für die tatsächliche Bauart des Sonnenschutzes wählen.
- Nachtlüftung angesetzt, die es nicht gibt. Erhöhte Nachtlüftung wird angerechnet, obwohl im Erdgeschoss nachts kein Fenster offen bleiben kann. Folge: S1 zu hoch, Nachweis geschönt. Abhilfe: nur ansetzen, was Lüftungskonzept oder Anlage tatsächlich leisten.
- Raumtiefe voll angerechnet. Ein 8 m tiefer, einseitig befensterter Raum wird mit voller Grundfläche gerechnet. Folge: fWG und Svorh zu günstig. Abhilfe: Raumtiefe auf das Dreifache der Raumhöhe begrenzen, im Rechner per Schalter.
- Dachflächenfenster als senkrechte Fenster. Die Neigung wird nicht eingetragen. Folge: Der Abschlag S4 fehlt, das Dachgeschoss besteht auf dem Papier. Abhilfe: Neigung je Fenster erfassen; unter 60° zur Horizontalen zählt es als geneigt.
- Fensterfläche als Glasfläche. Statt des lichten Rohbaumaßes wird nur die Scheibe angesetzt. Folge: Aw zu klein. Abhilfe: Rohbauöffnung aus dem Grundriss verwenden, wie es die Norm vorsieht.
- Sonnenschutzglas ohne Blick auf den Winter. g = 0,30 löst den Sommer, kostet aber solare Gewinne in der Heizperiode. Folge: schlechteres Ergebnis im Wärmeschutznachweis und höhere Heizlast. Abhilfe: außenliegenden, beweglichen Sonnenschutz bevorzugen.
- Sommerlicher Wärmeschutz mit Kühllast verwechselt. Für den Bauantrag wird eine Kühllastberechnung eingereicht. Folge: Der geforderte Nachweis nach § 14 GModG fehlt. Abhilfe: erst DIN 4108-2, dann bei Bedarf VDI 2078.
Was eine professionelle Berechnung kostet
Für Wohngebäude bis 8 Wohneinheiten ist der sommerliche Wärmeschutz Bestandteil unseres Wärmeschutznachweises zum Festpreis von 490 €; ein separater Nachweis wird dort nicht berechnet. Als Einzelleistung, etwa für einen Dachgeschossausbau, einen Anbau oder ein Nichtwohngebäude, bieten wir die Berechnung auf Anfrage an.
Den Aufwand bestimmen vor allem die Zahl der zu prüfenden Räume, die Qualität der Planunterlagen (Fensterliste mit Rohbaumaßen, Sonnenschutzplanung, Bauteilaufbauten), die Frage, ob das vereinfachte Verfahren ausreicht oder eine Simulation nach Norm nötig wird, und ob Varianten des Sonnenschutzes gegeneinander bewertet werden sollen. Nichtwohngebäude mit hohen internen Lasten und Kühlanlage brauchen fast immer die Simulation.
Berechnung beauftragen
Sie erhalten den Nachweis des sommerlichen Wärmeschutzes raumweise dokumentiert, mit Randbedingungen, Sonneneintragskennwerten je kritischem Raum und der Angabe, welcher Sonnenschutz die Anforderung erfüllt, als PDF für Bauantrag und Bauakte. Im Neubau ist er Teil des Wärmeschutznachweises online; für Einzelfragen, Dachgeschossausbauten oder Nichtwohngebäude schreiben Sie uns über die Kontaktseite. Wir arbeiten deutschlandweit digital; Planunterlagen genügen als PDF oder Foto.
Normen und Quellen
- Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG), § 14 Sommerlicher Wärmeschutz; Neufassung durch Artikel 2 ab 1. Januar 2027 mit Verweis auf DIN 4108-2:2026-05.
- DIN 4108-2:2013-02 „Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden — Teil 2: Mindestanforderungen an den Wärmeschutz", Abschnitt 8 (Sonneneintragskennwert, Simulation, Klimaregionen).
- DIN 4108-2:2026-05, Nachfolgeausgabe, ab 2027 Bezugsnorm des GModG.
- DIN EN ISO 13792 — vereinfachtes Verfahren zur Berechnung der sommerlichen Raumtemperatur ohne Anlagentechnik (Grundlage der Stundensimulation).
- DIN EN 16798-1 — Komfortkategorien und operative Temperaturen für die Bewertung der Simulation.
- VDI 2078 — Kühllastberechnung, wenn der Raum trotz baulicher Maßnahmen gekühlt werden muss.
- DIN V 18599:2018-09 — verbindliche Rechennorm der Energiebilanz, in die Sonnenschutz und g-Werte des Nachweises zurückfließen.
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