Sommerlicher Wärmeschutz nach DIN 4108-2 – Rechner, Anleitung und Beispiel

Sommerlicher Wärmeschutz DIN 4108-2 v7.36.1
v20261013a
Übertemperaturstunden
—
h oberhalb Grenzwert
Gradstunden
—
Kh kumuliert
Mittlere Raumtemperatur
—
°C Ø Mai–Sept
Maximale Raumtemperatur
—
°C Spitzenwert
❄ Peak-Kühllast
—
W Spitzenleistung
❄ Kühlenergie Saison
—
kWh (Mai–Sept)
Temperaturverlauf
Var. A
Var. B
Var. C
Grenzwert
T_ext
🌡
BEREIT ZUR SIMULATION
Parameter einstellen, Simulation starten. Varianten A/B/C vergleichbar.
Monatl. Überhitzung
📊
❄ Kühllast-Verlauf (tägl. Peak)
❄
Kühlung in Tab „❄ Kühlung" aktivieren
Varianten-Vergleich
📋
Bereit – Parameter eingeben und Simulation starten Δt=1h · 01.05–30.09 · 3.672 h
📋

Dokumentation & Handbuch

Sommerlicher Wärmeschutz Simulation v1.2 · bauphysik-fachberatung.de

Programmbeschreibung

Dynamische 1-Zonen-Simulation zur Bewertung des sommerlichen Raumklimas mit stündlichem Zeitschritt (Mai–September). Geeignet für Bauphysiker, TGA-Planer und Energieberater.

💡 Schnellstart: Preset wählen (Wohnen/Büro/DG), Standort einstellen → SIMULATION STARTEN. Varianten A/B/C unterschiedlich konfigurieren für Vergleiche.

Funktionsumfang

  • Dynamische Energiebilanz – Solar, Transmission, Lüftung, Interne Last
  • RC-Speichermasse – leicht / mittel / schwer
  • Nachtlüftungslogik – regelbasiert mit Zeit- und Temperaturschwellen
  • Dynamische Verschattung – strahlungsabhängig schaltbar
  • Kühlleistungsberechnung – ideal mit COP und Leistungsgrenze
  • 10 Klimastandorte – Hamburg bis München (TRY-Annäherung, Seed=42)
  • 3 Varianten A/B/C – unabhängig und vergleichbar

Grenzen des Modells

  • Vereinfachtes 1-Zonen-Modell – keine Raumkopplung, keine CFD
  • Keine Feuchteberechnung / kein Taupunktnachweis
  • Synthetische TRY-Wetterdaten (Annäherung, keine offiziellen DWD-Datensätze)
  • Kein Anlagenregelungsmodell – nur idealer Kühler
Version 1.2 · Februar 2026 · Basis: DIN EN ISO 13792 · TRY-Annäherung (DWD-Klimastatistik)

Physikalisches Modell

Energiebilanz der Zone

C · ΔT/Δt = Q_sol + Q_trans + Q_vent + Q_int − Q_cool [W] C = A_Boden · c_spez [J/K] Wärmekapazität T(t+1) = T(t) + (ΣQ · Δt) / C

Solare Gewinne

Q_sol = A_Glas · g · FC · I_global · OF_Orient [W] g = g-Wert der Verglasung FC = Abminderungsfaktor Sonnenschutz (0,15–1,0) OF = S:1,0 · SW/SE:0,88 · O/W:0,62 · N:0,10

Transmission & Lüftung

Q_trans = UA_ges · (T_ext − T_int) Q_vent = (ACH/3600) · V · ρc_p · (T_ext − T_int) ρc_p = 1207 J/(m³·K) (Luft ~20°C)

Nachtlüftung – Aktivierungsbedingungen

  • Stunde im Nachtfenster [nvStart – nvEnd]
  • T_int > T_ext + ΔT_Schwelle
  • T_ext ≤ T_ext,max

Thermische Speichermasse

Bauweisec_spez [kJ/m²K]Typisch
Leicht20Holzrahmenbau, Gipskarton
Mittel60Mauerwerk, gemischt
Schwer120Stahlbeton, Vollstein

Eingabeparameter

Geometrie & Bauphysik

ParameterEinheitTypisch
Bodenflächem²15–100
Raumhöhem2,4–3,5
Außenwandflächem²inkl. Fenster, Brutto
U-Wert WandW/m²KGModG ≤ 0,24
U-Wert DachW/m²KGModG ≤ 0,16

Sonnenschutz – FC-Werte

TypFCWirkung
Außenjalousie0,15Sehr effektiv
Außenmarkise0,25Effektiv
Vordach0,35Mäßig
Innenrollo hell0,55Begrenzt
Innengardine0,75Kaum wirksam

Hinweis: g_eff = g · FC. Außenliegender Sonnenschutz (FC ≤ 0,25) ist um ein Vielfaches wirksamer als innenliegender.

Kühlleistungsberechnung

Ideales Kühlmodell

Q_excess = (T_frei − T_cool) · C / Δt [W] Q_cool = min(Q_excess, P_max) [W] Q_el = Q_cool / COP [W] Strombedarf

Systemtypen

TypCOP typ.P_max
Idealer Kühler3,0∞
Split-Klimaanlage2,5–3,5≤ 5 kW
Kaltwassersatz4,0–5,5≥ 10 kW

Ausgabe-Kennzahlen

  • Peak-Kühllast [W] – Auslegungswert für Systemgröße
  • Kühlenergie [kWh] – saisonaler Wärmebedarf Mai–Sept
  • El. Aufwand [kWh] – Kühlenergie / COP = Strombedarf

Klimastandorte

Synthetische TRY-Annäherungen nach DWD-Klimastatistik. Für GModG-Nachweise sind die originalen DWD-TRY-Datensätze zu verwenden.

StadtLat / HöheT_JulCharakter
Hamburg53.6°N / 6m18,5°CKüste, feucht, mild
Bremen53.1°N / 11m19,2°CMaritim–kontinental
Berlin52.5°N / 34m21,5°CKontinental, trocken
Wesel/NRW51.7°N / 18m20,5°CTiefland Rhein, TRY-Z.5
Köln50.9°N / 57m22,0°CRheintal, Wärmeinsel
Frankfurt50.1°N / 112m23,0°CStadtklima, sehr heiß
Leipzig51.3°N / 116m22,5°CKontinental, Hitzeinsel
Nürnberg49.5°N / 309m22,5°CFränkisches Becken
Stuttgart48.8°N / 256m22,5°CKessellage, kritisch
München48.1°N / 519m22,5°CAlpenvorland, hohe Strahlung

Ergebnis-Kennzahlen

Simulationszeitraum: 01. Mai – 30. September (3.672 h)

Übertemperaturstunden

Stunden mit T_int > Grenzwert. Hauptkriterium DIN EN 15251. <100 h = gut · >500 h = kritisch.

Gradstunden [Kh]

Σ max(0, T_int−T_Grenz)·Δt. Erfasst auch Intensität. DIN 4108-2: < 1200 Kh (WG) bzw. < 500 Kh (NWG).

Mittlere Raumtemp.

Arithmetisches Mittel T_int über Mai–Sept. Überblick über thermische Gesamtqualität.

Maximale Raumtemp.

Spitzenwert T_int. >35°C = unzumutbar.

❄ Peak-Kühllast [W]

Max. stündliche Kühllast – maßgebend für Auslegung des Kühlsystems.

❄ Kühlenergie [kWh]

Saisonale Kälteleistung × Zeit. Elektrisch = Kühlenergie / COP.

Normen & Planungshinweise

NormRelevanz
DIN EN 15251 / EN 16798-1Kat. II: T_op ≤ 26°C, adaptives Komfortmodell
DIN 4108-2Gradstunden-Kriterium ≤ 1200 Kh/a (Wohngebäude) bzw. ≤ 500 Kh/a (Nichtwohngebäude); alternativ Sonneneintragskennwert-Verfahren
GModG §14 / Anlage 3Sonneneintragskennwert S ≤ S_zul
VDI 2078Kühllastberechnung Gebäude (instationär)
DIN EN ISO 13792Vereinfachte Sommertemperaturberechnung

Bewertungs-Orientierung

Kennzahl🟢 Gut🟡 Grenzwertig🔴 Kritisch
Übertemp.stunden< 100 h100–500 h> 500 h
Gradstunden< 200 Kh200–1200 Kh> 1200 Kh
T_max< 28°C28–33°C> 33°C

💡 Außenverschattung (FC ≤ 0,25) ist die effektivste Einzelmaßnahme. Nachtlüftung wirkt besonders bei schwerer Bauweise und hohem Tag-Nacht-Delta (>8K).

Haftungshinweis

Diese Simulation dient der Planungsunterstützung und ersetzt keine normgerechte Berechnung nach GModG oder DIN 4108-2.

Sommerlicher Wärmeschutz Simulation v1.2 · bauphysik-fachberatung.de

Häufige Fragen

Was ist sommerlicher Wärmeschutz?
Sommerlicher Wärmeschutz nach DIN 4108-2 stellt sicher, dass Räume im Sommer nicht überhitzen. Das GModG schreibt den Nachweis für Neubauten und wesentliche Änderungen vor. Der Nachweis kann vereinfacht (Sonneneintragskennwert) oder per Simulation erfolgen.
Welche Übertemperaturgrenze gilt?
Die maximal zulässige operative Raumtemperatur beträgt 25–27 °C, je nach Klimaregion und Nutzung. Überschreitungshäufigkeiten von 10 % der Nutzungszeit (ca. 260 Stunden) sind bei der Simulation zulässig.
Was beeinflusst den sommerlichen Wärmeschutz am meisten?
Die wichtigsten Einflussfaktoren: Fensterflächenanteil und -orientierung, Sonnenschutz (F_c-Faktor), g-Wert der Verglasung, thermische Speichermasse des Raums (schwere vs. leichte Bauweise) und Nachtlüftung. Sonnenschutz hat den größten Einzeleinfluss.
Was ist der g-Wert und der F_c-Faktor?
Der g-Wert ist der Gesamtenergiedurchlassgrad der Verglasung (wie viel Solarenergie durchkommt). Der F_c-Faktor beschreibt die Wirksamkeit des Sonnenschutzes: F_c = 1 bedeutet kein Sonnenschutz, F_c = 0,2 bedeutet 80 % der Solarstrahlung werden abgehalten.
Welche Arten von Sonnenschutz gibt es?
Außenliegend (am effektivsten): Raffstores (F_c ≈ 0,15–0,25), Rollläden (0,20–0,30), Markisen (0,25–0,40). Innenliegend (weniger wirksam): Jalousien (0,45–0,65), Vorhänge (0,50–0,75). Sonnenschutzglas: g ≈ 0,20–0,35 statt 0,50–0,60.
Was ist thermische Speichermasse?
Die thermische Speichermasse beschreibt, wie viel Wärme ein Raum aufnehmen kann, bevor die Temperatur steigt. Schwere Bauweise (Beton, Mauerwerk) hat hohe Speichermasse und puffert Temperaturschwankungen. Leichtbau (Holzrahmen, Trockenbau) hat geringe Speichermasse und heizt sich schneller auf.
Funktioniert Nachtlüftung als Kühlstrategie?
Ja, Nachtlüftung ist eine sehr effektive passive Kühlstrategie. Voraussetzung: die Nachttemperatur fällt unter 20 °C, es gibt ausreichend Speichermasse und die Fenster können sicher geöffnet werden. 3-facher Luftwechsel nachts kann die Tageshöchsttemperatur um 2–4 K senken.
Wie funktioniert die Stundensimulation im Tool?
Das Tool simuliert den thermischen Verlauf stundenschritt-weise über eine Sommerperiode: jede Stunde werden solare Gewinne (Q_sol), Transmission (Q_tr), Lüftung (Q_v) und interne Lasten (Q_i) bilanziert und die resultierende Raumtemperatur berechnet.
Wann ist eine Klimaanlage nötig?
Wenn passive Maßnahmen (Sonnenschutz, Nachtlüftung, Speichermasse) nicht ausreichen, um die Übertemperaturgrenze einzuhalten. Typisch bei großen Glasflächen nach Süd/West, innenliegendem Sonnenschutz und Leichtbau. Das Tool berechnet auch die erforderliche Kühlleistung.
Was kostet eine Kühllastüberschreitung?
Energetisch: ca. 20–40 kWh/(m²·a) Kühlenergie bei einer Klimaanlage. Finanziell: 200–500 € Stromkosten/Jahr für ein Einfamilienhaus. Guter Sonnenschutz und Speichermasse vermeiden diese Kosten oft vollständig.

Was ist der sommerliche Wärmeschutz?

Der sommerliche Wärmeschutz begrenzt den Sonnenenergieeintrag in einen Raum so weit, dass er im Sommer ohne Kühlung erträglich bleibt. Maßgeblich ist DIN 4108-2, die dafür zwei Wege kennt: das vereinfachte Verfahren über den Sonneneintragskennwert und die thermische Simulation mit Übertemperaturgradstunden.

Beim Sonneneintragskennwert wird der vorhandene Wert Svorh aus Fensterflächen, Gesamtenergiedurchlassgrad g und Sonnenschutz Fc gebildet und auf die Nettogrundfläche des Raums bezogen. Er muss kleiner oder gleich dem zulässigen Wert Szul sein, der sich aus Anteilswerten S1 bis S6 für Klimaregion, Bauart, Nachtlüftung, Fensterflächenanteil, Verglasung, Fensterneigung und Orientierung zusammensetzt.

Die Simulation rechnet stattdessen den Verlauf der operativen Raumtemperatur über den Sommer stundenweise durch. Bewertet wird die Summe aus Stunden mal Kelvin, um die eine Grenztemperatur überschritten wird: die Übertemperaturgradstunden. Der Rechner unten bietet beide Wege an: den Sonneneintragskennwert im Reiter „Sonneneintrag", die Stundensimulation in den Reitern Zone bis Bewertung.

Wann ist der Nachweis Pflicht?

Das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) verlangt in § 14, dass ein Gebäude so errichtet wird, dass der Sonnenenergieeintrag durch einen ausreichenden baulichen sommerlichen Wärmeschutz begrenzt wird. Der Nachweis gehört damit zu jedem Neubau, für Wohngebäude wie für Nichtwohngebäude, und ist Teil des Wärmeschutznachweises zum Bauantrag; Ablauf und Kosten des Wärmeschutznachweises beschreibt die Leistungsseite. Im Energieausweis eines neu errichteten Gebäudes wird die Einhaltung des sommerlichen Wärmeschutzes ausdrücklich angegeben.

Das Gesetz erkennt beide Wege der Norm an: Entweder überschreitet der Sonneneintragskennwert die Anforderungswerte der DIN 4108-2 nicht, oder eine Simulation nach der Norm zeigt, dass die für den Standort zulässigen Übertemperaturgradstunden eingehalten sind. Bei Gebäuden mit Kühlanlage, die über die Simulation nachgewiesen werden, sind bauliche Maßnahmen insoweit vorzusehen, wie sie sich über die Einsparung an Kühlenergie innerhalb ihrer Nutzungsdauer erwirtschaften.

Auf die Berechnung darf verzichtet werden, wenn der grundflächenbezogene Fensterflächenanteil eines Raums unter den in DIN 4108-2 tabellierten Grenzwerten bleibt; diese Grenzwerte hängen von Orientierung und Neigung der Fenster ab und sind der Norm-Tabelle zu entnehmen. Bei Erweiterung und Ausbau um mehr als 50 m² zusammenhängende Nutzfläche ist der sommerliche Wärmeschutz für die neuen Gebäudeteile ebenfalls nachzuweisen. Für die reine Sanierung ohne neue Räume besteht keine Nachweispflicht, das ausgebaute Dachgeschoss mit großen Dachflächenfenstern ist aber genau der Fall, in dem sich die Prüfung fachlich lohnt.

Normstand beachten: Bis Ende 2026 verweist das Gesetz auf DIN 4108-2:2013-02, Abschnitt 8. Mit dem zum 1. Januar 2027 in Kraft tretenden Artikel 2 des GModG wird § 14 neu gefasst und auf DIN 4108-2:2026-05 umgestellt (Sonneneintragskennwert nach Abschnitt 8.4, Simulation nach Abschnitt 8.5). Welche Ausgabe für Ihren Bauantrag gilt, richtet sich nach dem Zeitpunkt der Antragstellung.

Nachweis nach DIN 4108-2 oder Kühllastberechnung?

Die beiden Rechnungen werden oft verwechselt, beantworten aber verschiedene Fragen. Der Nachweis nach DIN 4108-2 fragt: Kommt der Raum ohne Kühlung aus? Er ist ein baulicher Nachweis, sein Ergebnis ist „erfüllt" oder „nicht erfüllt". Die Kühllastberechnung fragt: Wie viel Kälteleistung braucht der Raum, wenn gekühlt wird? Ihr Ergebnis ist eine Leistung in Watt für die Auslegung von Klimagerät oder Kaltwassersatz, gerechnet für den Auslegungstag nach VDI 2078.

Praktisch gehört die Reihenfolge so: erst den sommerlichen Wärmeschutz baulich ausschöpfen (Sonnenschutz, Verglasung, Speichermasse, Nachtlüftung), dann für die Räume, die trotzdem gekühlt werden müssen, die Kühllast bestimmen. Wer die Kühllast ohne Sonnenschutz rechnet, legt die Anlage für ein vermeidbares Problem aus. Den zweiten Schritt übernimmt der Kühllast-Rechner; die Reiter „Kühlung" und „Bewertung" des Rechners auf dieser Seite zeigen als Vorschau, welche Kühlleistung und welchen Strombedarf ein Raum bei gegebener Solltemperatur hätte.

Der kritische Raum

Der Nachweis wird raumweise geführt. Geprüft wird nicht das ganze Gebäude, sondern der Raum, bei dem das Verhältnis aus vorhandenem und zulässigem Sonneneintragskennwert am ungünstigsten ist. Ist dieser Raum in Ordnung, gilt der Nachweis als erbracht.

Kritisch sind in der Regel Räume mit großem Fensterflächenanteil nach Süden, Südwesten oder Westen, Dachflächenfenster (geneigte Verglasung fängt mehr Strahlung als senkrechte, deshalb der Abschlag S4), zweiseitig befensterte Eckräume und Wohnräume mit raumhoher Verglasung. Für einseitig befensterte Räume begrenzt die Norm die anrechenbare Raumtiefe auf das Dreifache der lichten Raumhöhe; ein tiefer Schlauchraum darf sich nicht mit Grundfläche weit hinten im Raum entlasten.

Wenn Ihr Projekt im Gebäudeprofil erfasst ist, übernimmt der Rechner die Räume mit Fenstern und Orientierungen aus dem CAD-Editor und findet über „Alle Räume prüfen" den kritischsten Raum selbst.

Sonnenschutz, Verglasung, Speichermasse, Nachtlüftung als Stellschrauben

Sonnenschutz. Der Abminderungsfaktor Fc wirkt direkt auf Svorh. Außenliegende Raffstores, Jalousien oder Rollläden halten die Strahlung vor der Scheibe ab und erreichen kleine Fc-Werte; innenliegende Rollos und Vorhänge lassen die Wärme erst in den Raum und wirken nur schwach. Fc gilt nach Norm-Tabelle in Abhängigkeit von Sonnenschutzart und Glaserzeugnis, der Rechner hinterlegt diese Tabelle.

Verglasung. Der g-Wert bestimmt, welcher Anteil der Strahlung durch das Glas gelangt. Sonnenschutzglas mit g ≤ 0,40 senkt Svorh und bringt zusätzlich den Anteilswert S3; im Winter kostet es allerdings solare Gewinne, die im Wärmeschutznachweis fehlen. Den U-Wert des Fensters prüfen Sie im Fenster-U-Wert-Rechner.

Speichermasse. Die Bauart leicht, mittel oder schwer beschreibt die wirksame Wärmespeicherfähigkeit des Raums. Schwere Decken und Wände nehmen tagsüber Wärme auf und geben sie nachts ab; ein Holzrahmenbau mit Gipskartonschalen kann das nicht und heizt sich schneller auf. Der Anteilswert S1 steigt mit der Bauart.

Nachtlüftung. Erhöhte oder hohe Nachtlüftung kühlt die Speichermasse zurück und hebt S1 deutlich an, in Wohngebäuden ist sie der zweitgrößte Hebel nach dem Sonnenschutz. Sie ist nur anrechenbar, wenn die Fenster nachts sicher geöffnet werden können oder eine Lüftungsanlage die Luftmengen liefert; der Lüftungsrechner zeigt, ob die Anlage das schafft.

Welche Eingaben der Rechner braucht

Für den Nachweis über den Sonneneintragskennwert (Reiter „Sonneneintrag"):

  • Sommerklimaregion A, B oder C — aus der Klimakarte der DIN 4108-2 nach dem Standort; der Niederrhein liegt in Region B.
  • Nutzung Wohngebäude oder Nichtwohngebäude — entscheidet über die S1-Zeile und die S2-Formel.
  • Bauart leicht, mittel oder schwer — aus den Bauteilaufbauten des Raums (wirksame Wärmespeicherfähigkeit nach Norm).
  • Nachtlüftung ohne, erhöht oder hoch — aus dem Lüftungskonzept.
  • Verglasungsklasse Sonnenschutzglas g ≤ 0,40, Zweifach- oder Dreifachglas g > 0,40 — aus dem Fensterdatenblatt.
  • Raummaße Tiefe, Breite, Höhe oder direkt die Nettogrundfläche AG, mit Schalter für einseitig befensterte Räume.
  • Je Fenster: Orientierung, Fläche Aw im lichten Rohbaumaß, g-Wert, Sonnenschutzart (Fc-Auswahl) und Neigung — aus Grundriss, Fensterliste und Sonnenschutzplanung.
  • Passive Kühlung als Schalter, wenn eine Bauteilaktivierung oder Erdsonde den Raum kühlt (Anteilswert S6).

Für die Stundensimulation (Reiter Zone bis Bewertung) kommen hinzu: Standort aus zehn Städten, Bodenfläche, Raumhöhe, Außenwand- und Dachfläche mit U-Werten (aus dem U-Wert-Rechner), Fensterflächen bis vier Orientierungen mit g-Wert, U-Wert und Neigung, Sonnenschutztyp mit optionaler strahlungsgesteuerter Aktivierung, Luftwechsel am Tag und in der Nacht, Zeitfenster und Auslösetemperatur der Nachtlüftung, interne Lasten aus Personen, Geräten und Beleuchtung mit Nutzungsprofil sowie Grenztemperatur und Gradstunden-Grenzwert. Die Simulation arbeitet mit synthetischen Testreferenzjahren und ist als Planungsvorschau gedacht; der rechtsverbindliche Simulationsnachweis verlangt die Randbedingungen und Klimadatensätze der Norm.

Simulieren Sie den sommerlichen Wärmeschutz nach DIN 4108-2. Stundenweise Berechnung der Raumtemperatur mit solaren Gewinnen, Transmission, Lüftung und internen Lasten. Bewertung von Sonnenschutz (Raffstores, Rollläden), Speichermasse und Nachtlüftung. Prüfung der Übertemperatur-Grenzwerte nach GModG mit Berechnung der erforderlichen Kühlleistung.

Beispielrechnung

Wohnzimmer eines Neubaus am Niederrhein, Sommerklimaregion B, Bauart mittel (Kalksandstein, Betondecke), erhöhte Nachtlüftung über Fenster. Nettogrundfläche AG = 5,0 m × 4,0 m = 20 m². Ein Fensterband nach Südwesten, Aw = 5,0 m² im Rohbaumaß, Zweifach-Wärmeschutzglas mit g = 0,60.

Schritt 1 — Fensterflächenanteil: fWG = Aw / AG = 5 / 20 = 0,25.

Schritt 2 — zulässiger Sonneneintragskennwert nach DIN 4108-2:2013-02, Tabelle 8:

AnteilswertAnsatzWert
S1Wohngebäude, erhöhte Nachtlüftung, Bauart mittel, Region B0,103
S20,060 − 0,231 · fWG = 0,060 − 0,231 · 0,250,002
S3kein Sonnenschutzglas (g > 0,40)0
S4keine geneigten Fenster0
S5keine Nordfenster0
S6keine passive Kühlung0
SzulSumme0,105

Schritt 3 — vorhandener Sonneneintragskennwert: Svorh = Σ (Aw · g · Fc) / AG, in drei Varianten des Sonnenschutzes:

VarianteFcSvorhNachweis
ohne Sonnenschutz1,005 · 0,60 · 1,00 / 20 = 0,150nicht erfüllt (0,150 > 0,105)
innenliegendes helles Rollo0,755 · 0,60 · 0,75 / 20 = 0,113nicht erfüllt (0,113 > 0,105)
außenliegender Raffstore, Lamellen 45°0,255 · 0,60 · 0,25 / 20 = 0,038erfüllt (0,038 ≤ 0,105)

Erst der außenliegende Sonnenschutz bringt den Raum durch den Nachweis, und zwar mit deutlicher Reserve. Die Reserve ist nötig: Entfällt die Nachtlüftung, sinkt S1 auf 0,067 und Szul auf 0,069; der Raffstore hält den Nachweis mit 0,038 weiterhin, das Innenrollo läge dann noch weiter daneben. Genau diese Varianten können Sie im Rechner oben nachstellen, indem Sie Sonnenschutz und Nachtlüftung umschalten.

Typische Fehler

  • Nachweis am falschen Raum. Geprüft wird das Kinderzimmer nach Norden, das Wohnzimmer mit Westverglasung bleibt unbetrachtet. Folge: Der Nachweis ist wertlos, die Überhitzung kommt trotzdem. Abhilfe: alle Räume mit Fenstern durchgehen und den ungünstigsten führen.
  • Innenliegender Sonnenschutz als Lösung. Ein Vorhang wird mit Fc eines Raffstores angesetzt. Folge: Svorh ist zu klein gerechnet, der reale Raum wird heiß. Abhilfe: Fc strikt nach Norm-Tabelle für die tatsächliche Bauart des Sonnenschutzes wählen.
  • Nachtlüftung angesetzt, die es nicht gibt. Erhöhte Nachtlüftung wird angerechnet, obwohl im Erdgeschoss nachts kein Fenster offen bleiben kann. Folge: S1 zu hoch, Nachweis geschönt. Abhilfe: nur ansetzen, was Lüftungskonzept oder Anlage tatsächlich leisten.
  • Raumtiefe voll angerechnet. Ein 8 m tiefer, einseitig befensterter Raum wird mit voller Grundfläche gerechnet. Folge: fWG und Svorh zu günstig. Abhilfe: Raumtiefe auf das Dreifache der Raumhöhe begrenzen, im Rechner per Schalter.
  • Dachflächenfenster als senkrechte Fenster. Die Neigung wird nicht eingetragen. Folge: Der Abschlag S4 fehlt, das Dachgeschoss besteht auf dem Papier. Abhilfe: Neigung je Fenster erfassen; unter 60° zur Horizontalen zählt es als geneigt.
  • Fensterfläche als Glasfläche. Statt des lichten Rohbaumaßes wird nur die Scheibe angesetzt. Folge: Aw zu klein. Abhilfe: Rohbauöffnung aus dem Grundriss verwenden, wie es die Norm vorsieht.
  • Sonnenschutzglas ohne Blick auf den Winter. g = 0,30 löst den Sommer, kostet aber solare Gewinne in der Heizperiode. Folge: schlechteres Ergebnis im Wärmeschutznachweis und höhere Heizlast. Abhilfe: außenliegenden, beweglichen Sonnenschutz bevorzugen.
  • Sommerlicher Wärmeschutz mit Kühllast verwechselt. Für den Bauantrag wird eine Kühllastberechnung eingereicht. Folge: Der geforderte Nachweis nach § 14 GModG fehlt. Abhilfe: erst DIN 4108-2, dann bei Bedarf VDI 2078.

Was eine professionelle Berechnung kostet

Für Wohngebäude bis 8 Wohneinheiten ist der sommerliche Wärmeschutz Bestandteil unseres Wärmeschutznachweises zum Festpreis von 490 €; ein separater Nachweis wird dort nicht berechnet. Als Einzelleistung, etwa für einen Dachgeschossausbau, einen Anbau oder ein Nichtwohngebäude, bieten wir die Berechnung auf Anfrage an.

Den Aufwand bestimmen vor allem die Zahl der zu prüfenden Räume, die Qualität der Planunterlagen (Fensterliste mit Rohbaumaßen, Sonnenschutzplanung, Bauteilaufbauten), die Frage, ob das vereinfachte Verfahren ausreicht oder eine Simulation nach Norm nötig wird, und ob Varianten des Sonnenschutzes gegeneinander bewertet werden sollen. Nichtwohngebäude mit hohen internen Lasten und Kühlanlage brauchen fast immer die Simulation.

Berechnung beauftragen

Sie erhalten den Nachweis des sommerlichen Wärmeschutzes raumweise dokumentiert, mit Randbedingungen, Sonneneintragskennwerten je kritischem Raum und der Angabe, welcher Sonnenschutz die Anforderung erfüllt, als PDF für Bauantrag und Bauakte. Im Neubau ist er Teil des Wärmeschutznachweises online; für Einzelfragen, Dachgeschossausbauten oder Nichtwohngebäude schreiben Sie uns über die Kontaktseite. Wir arbeiten deutschlandweit digital; Planunterlagen genügen als PDF oder Foto.

Normen und Quellen

  • Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG), § 14 Sommerlicher Wärmeschutz; Neufassung durch Artikel 2 ab 1. Januar 2027 mit Verweis auf DIN 4108-2:2026-05.
  • DIN 4108-2:2013-02 „Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden — Teil 2: Mindestanforderungen an den Wärmeschutz", Abschnitt 8 (Sonneneintragskennwert, Simulation, Klimaregionen).
  • DIN 4108-2:2026-05, Nachfolgeausgabe, ab 2027 Bezugsnorm des GModG.
  • DIN EN ISO 13792 — vereinfachtes Verfahren zur Berechnung der sommerlichen Raumtemperatur ohne Anlagentechnik (Grundlage der Stundensimulation).
  • DIN EN 16798-1 — Komfortkategorien und operative Temperaturen für die Bewertung der Simulation.
  • VDI 2078 — Kühllastberechnung, wenn der Raum trotz baulicher Maßnahmen gekühlt werden muss.
  • DIN V 18599:2018-09 — verbindliche Rechennorm der Energiebilanz, in die Sonnenschutz und g-Werte des Nachweises zurückfließen.
Dipl.-Ing. Rolf Krause

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