Handbuch Schallschutzberechnung nach DIN 4109: Luftschall, Trittschall, Flankenwege und Optimierung
Dieses Handbuch erklärt, wie der bauliche Schallschutz zwischen zwei Räumen eines Gebäudes rechnerisch nachgewiesen wird: der Luftschall als bewertetes Bau-Schalldämm-Maß R'w und der Trittschall als bewerteter Norm-Trittschallpegel L'n,w, jeweils mit allen Übertragungswegen. Es beschreibt zugleich das Werkzeug Schallschutz aus dem CAD-Grundriss, das diese Rechnung für ein ganzes Gebäude führt und bei Bedarf eine Optimierung vorschlägt.
Ergänzend gibt es neun durchgerechnete Rechenbeispiele und ein Glossar aller Fachbegriffe.
1 Zweck und Geltungsbereich
Das Werkzeug wird im CAD-Editor über den Knopf „🔊 Schallschutz“ geöffnet (Adresse /leistungen/schallschutz/?projekt=…). Es liest den CAD-Grundriss und den Bauteilaufbau aus dem Gebäudeprofil (Tab 6) und schreibt nichts ins Projekt. Rechenkern: SchallschutzEngine 1.4.0.
Abgedeckt:
- Wände und Decken im Massivbau, vereinfachtes Verfahren nach DIN 4109-2
- Flankenübertragung über vier Stoßstellen mit je drei Nebenwegen
- schwimmende Nassestriche auf massiven Rohdecken
- Anforderung je Raumpaar aus DIN 4109-1 (Mindestanforderung)
- Optimierung mit massiven Standardvarianten, wo die Anforderung nicht erreicht wird
Nicht abgedeckt: Holz- und Leichtbau (eigene Rechenansätze nach DIN 4109-33), Treppen, Türen im Gebäudeplan, Außenlärm (DIN 4109-2 Abschnitt 4.4 / ISO 12354-3), Raumakustik und Geräusche technischer Anlagen. Holz- und Leichtbauteile erscheinen als „nicht bewertbar“ – sie werden nicht mit dem Massivbauverfahren falsch gerechnet.
Normstand. Bauaufsichtlich eingeführt ist DIN 4109-1:2018-01; der rechnerische Nachweis kann nach DIN 4109-2:2018-01 mit DIN 4109-31 bis -36:2016-07 geführt werden. Der Rechenkern führt diesen Satz als Normstand din4109-2018. Eine neuere Normausgabe wird als eigener Satz ergänzt, nicht über den bestehenden geschrieben, denn eine Norm gilt nicht schon durch ihr Erscheinen bauordnungsrechtlich.
Rechtliche Einordnung. Die Werte der DIN 4109-1 sind öffentlich-rechtliche Mindestwerte zum Gesundheitsschutz, kein zivilrechtlich geschuldeter Komfort. Ein höherer Schallschutz (zum Beispiel nach DIN 4109-5) muss vertraglich vereinbart werden. In NRW verlangt die Bauaufsicht bei Gebäuden außer Wohngebäuden der Gebäudeklassen 1 und 2 eine Bescheinigung einer sachverständigen Person über den Schall- und Wärmeschutz (§ 68 Abs. 4 BauO NRW). Eine Rechnung ersetzt diese Bescheinigung nicht; Prüfung und Unterschrift bleiben bei der nachweisberechtigten Person.
2 Bauakustische Grundlagen
Schall gelangt nicht nur durch die Trennwand in den Nachbarraum, sondern auch über jede Wand und Decke, die an sie anschließt. Im Beispiel B1 laufen 55 % der Energie über diese Nebenwege; eine Betrachtung allein des Trennbauteils ist deshalb kein Gebäudenachweis.
| Größe | Bedeutung | Ziel |
|---|---|---|
| R_w | bewertetes Schalldämm-Maß eines Bauteils, ohne Nebenwege | groß |
| R'w | bewertetes Bau-Schalldämm-Maß zwischen zwei Räumen, alle Wege | groß, ≥ Anforderung |
| L_n,eq,0,w | äquivalenter bewerteter Norm-Trittschallpegel der Rohdecke | — |
| ΔL_w | bewertete Trittschallminderung der Deckenauflage (Estrich) | groß |
| L'n,w | bewerteter Norm-Trittschallpegel im Empfangsraum | klein, ≤ Anforderung |
| K_ij | Stoßstellendämm-Maß: Energie, die an einer Bauteilverbindung verloren geht | groß |
| m' | flächenbezogene Masse in kg/m² | groß |
Übertragungswege. Je Stoßstelle gibt es drei Nebenwege: Ff von der Flanke im Senderaum in die Flanke im Empfangsraum, gerade durch die Stoßstelle; Fd von der Flanke in das Trennbauteil; Df vom Trennbauteil in die Flanke. Dazu kommt der Direktweg Dd. Bei vier Stoßstellen sind das 13 Wege.
Stoßstellen. Ein Kreuzstoß (die Flanke läuft durch, das Trennbauteil schließt beidseitig an) dämmt besser als ein T-Stoß (das Trennbauteil endet an der Flanke). Je schwerer das Trennbauteil gegenüber der Flanke, desto mehr Energie bleibt an der Stoßstelle hängen. Leichte, durchlaufende Flanken sind die häufigste Schwachstelle.
Massegesetz. Bei einschaligen massiven Bauteilen steigt R_w mit dem Logarithmus der Masse: doppelte Masse bringt 30,9 · lg 2 ≈ 9,3 dB.
3 Anforderungen nach DIN 4109-1
Die Anforderung folgt aus Gebäudeart und Raumbeziehung. Das Werkzeug wählt sie je Raumpaar selbst: Wohnungstrennwand oder Treppenraumwand, Wohnungstrenndecke, Decke unter Bad und WC, Decke über Hausflur und Treppenraum. Die Tabelle zeigt alle im Rechenkern hinterlegten Werte.
| Gebäudeart | Trennbauteil | erf. R'w [dB] | zul. L'n,w [dB] | Quelle |
|---|---|---|---|---|
| Mehrfamilienhaus | Wohnungstrennwand / Wand zwischen fremden Arbeitsräumen | 53 | — | Tab. 2 |
| Mehrfamilienhaus | Treppenraumwand / Wand neben Hausflur | 53 | — | Tab. 2 |
| Mehrfamilienhaus | Wand neben Durchfahrt / Einfahrt Sammelgarage | 55 | — | Tab. 2 |
| Mehrfamilienhaus | Wand von Spiel- oder Gemeinschaftsräumen | 55 | — | Tab. 2 |
| Mehrfamilienhaus | Schachtwand Aufzug an Aufenthaltsräumen | 57 | — | Tab. 2 |
| Mehrfamilienhaus | Wohnungstrenndecke / Decke zwischen fremden Arbeitsräumen | 54 | 50 | Tab. 2 |
| Mehrfamilienhaus | Decke über Keller, Hausflur, Treppenraum unter Aufenthaltsräumen | 52 | 50 | Tab. 2 |
| Mehrfamilienhaus | Decke unter allgemein nutzbarem Dachraum | 52 | 52 | Tab. 2 |
| Mehrfamilienhaus | Decke über Durchfahrt / Sammelgarage | 55 | 50 | Tab. 2 |
| Mehrfamilienhaus | Decke unter/über Spiel- oder Gemeinschaftsräumen | 55 | 46 | Tab. 2 |
| Mehrfamilienhaus | Decke unter Bad und WC | 54 | 53 | Tab. 2 |
| Mehrfamilienhaus | Treppenläufe und -podeste | — | 53 | Tab. 2 |
| Mehrfamilienhaus | Tür Hausflur/Treppenraum → Flur/Diele der Wohnung | 27 (R_w) | — | Tab. 2 |
| Mehrfamilienhaus | Tür Hausflur/Treppenraum → direkt in Aufenthaltsraum | 37 (R_w) | — | Tab. 2 |
| Einfamilien-Reihenhaus / Doppelhaus | Haustrennwand zu Aufenthaltsräumen, unterstes Geschoss | 59 | — | Tab. 3 |
| Einfamilien-Reihenhaus / Doppelhaus | Haustrennwand zu Aufenthaltsräumen, übrige Geschosse | 62 | — | Tab. 3 |
| Einfamilien-Reihenhaus / Doppelhaus | Decke (Übertragung ins Nachbarhaus) | — | 41 | Tab. 3 |
| Einfamilien-Reihenhaus / Doppelhaus | Treppenläufe und -podeste | — | 46 | Tab. 3 |
| Beherbergungsstätte | Wand zwischen Übernachtungsräumen / Flur–Übernachtungsraum | 47 | — | Tab. 4 |
| Beherbergungsstätte | Decke zwischen Übernachtungsräumen | 54 | 50 | Tab. 4 |
| Beherbergungsstätte | Tür Flur → Übernachtungsraum | 32 (R_w) | — | Tab. 4 |
| Krankenhaus / Sanatorium | Wand zwischen Krankenräumen | 47 | — | Tab. 5 |
| Krankenhaus / Sanatorium | Decke zwischen Krankenräumen | 54 | 53 | Tab. 5 |
| Krankenhaus / Sanatorium | Tür zwischen Flur und Krankenraum | 32 (R_w) | — | Tab. 5 |
| Schule / vergleichbare Einrichtung | Wand zwischen Unterrichtsräumen | 47 | — | Tab. 6 |
| Schule / vergleichbare Einrichtung | Decke zwischen Unterrichtsräumen | 55 | 53 | Tab. 6 |
| Schule / vergleichbare Einrichtung | Tür Flur → Unterrichtsraum | 32 (R_w) | — | Tab. 6 |
Die Werte sind im Rechenkern als noch nicht gegen den Normtext gegengelesen gekennzeichnet (QUELLE.geprueft = false); vor einer Produktivfreigabe werden sie Zeile für Zeile mit DIN 4109-1:2018-01 abgeglichen. Das Werkzeug rechnet gegen die Mindestanforderung. Ein erhöhter oder vertraglich vereinbarter Schallschutz ist kein eigenes Ziel im Werkzeug; über die Ziel-Reserve der Optimierung lässt sich ein Abstand zur Mindestanforderung vorgeben.
4 Luftschall Schritt für Schritt
Schritt 1 – Flächenbezogene Masse. Rohdichte mal Dicke plus Putze oder Bekleidungen beider Seiten:
m' = ρw · d + m'Putz,1 + m'Putz,2
Schritt 2 – Schalldämm-Maß jedes Bauteils nach DIN 4109-32 (Massegesetz, gültig für 65 ≤ m' ≤ 720 kg/m²). Außerhalb dieses Bereichs gibt das Werkzeug kein Ergebnis aus.
Rw = 30,9 · lg(m' / 1 kg/m²) − 22,2 dB
Schritt 3 – Stoßstellendämm-Maß starrer Stoßstellen nach DIN EN ISO 12354-1 Anhang E, mit M = lg(m'Trennbauteil / m'Flanke). Ff ist der gerade Weg durch die Stoßstelle, Fd und Df gehen um die Ecke.
Kreuzstoß: KFf = 8,7 + 17,1·M + 5,7·M² KFd = KDf = 8,7 + 5,7·M²
T-Stoß: KFf = 5,7 + 14,1·M + 5,7·M² KFd = KDf = 5,7 + 5,7·M²
Jeder Wert wird mindestens auf Kij,min gesetzt, und zwar mit den Flächen Si und Sj der beiden Bauteile des jeweiligen Weges: bei Ff die beiden Flanken, bei Fd die Flanke im Senderaum und das Trennbauteil, bei Df das Trennbauteil und die Flanke im Empfangsraum (seit Rechenkern 1.4.0; Beispiel B9).
Kij,min = 10 · lg( lf · (1/Si + 1/Sj) )
Schritt 4 – jeder Übertragungsweg nach DIN 4109-2, mit lf = Kopplungslänge der Stoßstelle und Ss = Fläche des Trennbauteils. ΔR sind Verbesserungen durch Vorsatzschalen auf den beteiligten Seiten.
Rij,w = (Ri,w + Rj,w)/2 + ΔRij,w + Kij + 10 · lg( Ss / (l0 · lf) )
Schritt 5 – energetische Summe aller 13 Wege und Nachweis mit dem Sicherheitsbeiwert uprog = 2 dB:
R'w = −10 · lg( 10−RDd/10 + Σ 10−RFf/10 + Σ 10−RFd/10 + Σ 10−RDf/10 ) R'w − uprog ≥ erf. R'w
Rechenbeispiel Wohnungstrennwand (Beispiel B1)
Trennwand Kalksandstein RDK 2,0, 24 cm, beidseitig 10 mm Gipsputz; Länge 4,00 m, lichte Höhe 2,60 m (Ss = 10,4 m²); Raumtiefen 4,50 m und 3,80 m; Decken Stahlbeton 20 cm, Außenwand KS 17,5 cm (ρ 1750), Flurwand KS 11,5 cm (ρ 1750).
| Bauteil | m' [kg/m²] | R_w [dB] | Stoß | l_f [m] | K_Ff / K_Fd [dB] |
|---|---|---|---|---|---|
| Trennbauteil | 476 | 60,5 | — | — | — |
| Decke unten | 490 | 60,9 | Kreuz | 4,0 | 8,5 / 8,7 |
| Decke oben | 490 | 60,9 | Kreuz | 4,0 | 8,5 / 8,7 |
| Seitenwand 1 | 341 | 56,1 | T | 2,6 | 7,9 / 5,8 |
| Seitenwand 2 | 221 | 50,3 | T | 2,6 | 11,0 / 6,3 |
| Weg | R_ij,w [dB] | Anteil an der Energie |
|---|---|---|
| Dd direkt | 60,5 | 45 % |
| Seitenwand 2 (Ff / Fd / Df) | 67,3 / 67,7 / 67,7 | 27 % |
| Seitenwand 1 (Ff / Fd / Df) | 69,9 / 70,1 / 70,1 | 15 % |
| Decke unten (Ff / Fd / Df) | 73,6 / 73,6 / 73,6 | 7 % |
| Decke oben (Ff / Fd / Df) | 73,6 / 73,6 / 73,6 | 7 % |
Summe: R'w = 57,1 dB; Nachweis 57,1 − 2,0 = 55,1 dB ≥ 53 dB, Reserve +2,1 dB. Die leichte Flurwand ist die stärkste Nebenwegquelle – mit KS 17,5 cm steigt die Reserve auf +2,6 dB, ohne die Trennwand anzufassen (Beispiel B2).
5 Trittschall Schritt für Schritt
Schritt 1 – Rohdecke nach DIN 4109-32, gültig für 100 ≤ m' ≤ 720 kg/m². Für m' zählt nur die Rohdecke mit Putz, nicht der Estrich.
Ln,eq,0,w = 164 − 35 · lg(m' / 1 kg/m²) dB
Schritt 2 – Deckenauflage. Schwimmender Nassestrich nach DIN 4109-34, mit m'E = Estrichmasse in kg/m² und s' = dynamische Steifigkeit der Trittschalldämmung in MN/m³.
ΔLw = 13 · lg(m'E) − 14,2 · lg(s') + 20,8 dB
Schritt 3 – Flankenkorrektur aus der Deckenmasse m's und der mittleren Masse m'f,m der flankierenden Wände im Empfangsraum (DIN 4109-2). Ein rechnerisch negativer Wert wird konservativ auf 0 gesetzt.
K = 0,6 + 5,5 · lg( m's / m'f,m ) ≥ 0
Schritt 4 – Ergebnis und Nachweis mit uprog = 3 dB:
L'n,w = Ln,eq,0,w − ΔLw + K L'n,w + uprog ≤ zul. L'n,w
Rechenbeispiel Wohnungstrenndecke (Beispiel B4)
| Eingabe | Wert |
|---|---|
| Rohdecke | Stahlbeton 18 cm, ρ 2400, Gipsputz unten → m' = 442 kg/m² |
| Estrich | Zementestrich 45 mm, ρ 2000 → m'E = 90 kg/m² |
| Trittschalldämmung | s' = 20 MN/m³ |
| Flanken im Empfangsraum | 341 / 476 / 221 / 341 kg/m² → m'f,m = 345 kg/m² |
| Rechenschritt | Wert [dB] |
|---|---|
| Ln,eq,0,w | 71,4 |
| − ΔLw | − 27,7 |
| + K | + 1,2 |
| L'n,w | 44,9 |
| + uprog | + 3,0 |
| Nachweiswert | 47,9 ≤ 50 → erfüllt, Reserve +2,1 dB |
Weichfedernde Bodenbeläge werden beim Nachweis der Mindestanforderung nicht angerechnet. Die wirksamste Stellschraube ist s': von 20 auf 10 MN/m³ bringt die Gleichung 14,2 · lg 2 ≈ 4,3 dB.
6 Bedienung des Werkzeugs
- Öffnen: im CAD-Editor „🔊 Schallschutz“. Vorher wird der Zeichenstand gesichert.
- Kacheln oben: Zahl der Trennbauteile mit Anforderung, erfüllt, knapp (unter 1 dB Reserve), nicht erfüllt, nicht bewertbar; dazu die erkannte Gebäudeart.
- Grundriss: je Geschoss; Linie = Trennwand, getönte Fläche = Trenndecke. Ein Klick öffnet die Rechnung des Paares.
- Datengrundlage: die Massen von Trennwand, Innenwand, Außenwand, Rohdecke und Estrich sowie s', jeweils mit Quelle (Tab 6, Annahme, Eingabe). Jeder Wert lässt sich auf der Seite überschreiben; die Eingabe bleibt im Browser und wird nicht ins Projekt geschrieben.
- Gebäudeart: automatisch aus den WE-Nummern; von Hand wählbar.
- Trennbauteile: nach Dringlichkeit sortiert. Aufgeklappt stehen Anforderung, Geometrie, Rechenweg, die stärksten Übertragungswege und – wo nötig – die Optimierung.
- Drucken: die Seite lässt sich drucken oder als PDF speichern.
Gibt es für ein Paar kein Ergebnis, steht der Grund dabei: fehlende Höhe, m' außerhalb des Gültigkeitsbereichs, Leichtbau. Das ist Absicht – das Werkzeug gibt nie ein Ergebnis aus, für das das Verfahren nicht gilt.
7 CAD-Anbindung und Datenherkunft
- Trennwand: zwei Räume im selben Geschoss, deren Kanten parallel und höchstens 0,60 m auseinanderliegen und sich auf mindestens 0,50 m überdecken. Länge = Überdeckung; lichte Höhe = Geschosshöhe − 0,30 m; Raumtiefen senkrecht zur Wand. Endet die Wand am Gebäudeumriss, ist die Seitenflanke eine Außenwand.
- Trenndecke: zwei Räume in benachbarten Geschossen, deren Grundflächen sich auf mindestens 2 m² überlappen. Liegt eine Deckenkante am Gebäudeumriss, ist diese Flanke eine Außenwand, sonst eine Innenwand.
- Nutzungseinheit: die WE-Nr. am Raum im CAD. Räume ohne WE-Nr. mit Namen oder Nutzung Treppenhaus, Flur, Diele, Eingang gelten als Erschließung; daraus folgt die Treppenraumwand (53 dB) bzw. die Decke über dem Treppenraum. Ein Raum ohne beides gilt als „nicht erfasst“ und wird vorsichtshalber als fremde Einheit gerechnet. Hat das Gebäude nur eine Wohnung, gibt es keine Anforderungen zwischen den Räumen.
- Polygonräume: Raumtiefe und Deckenfläche werden über das umschließende Rechteck genähert; das steht am Paar.
- Massen aus Tab 6: Summe Rohdichte × Dicke der Schichten. Fehlt die Rohdichte an der Schicht, kommt sie aus der Materialdatenbank. Ob eine Schicht Dämmung ist, entscheidet die Materialkategorie – ein Wärmedämmziegel ist Mauerwerk. Die Zwischendecke wird an der Trittschalldämmung in Estrich (darüber, ohne Belag) und Rohdecke (darunter) geteilt. Für die Wohnungstrennwand gibt es in Tab 6 kein eigenes Bauteil; gerechnet wird mit der Innenwand, bis auf der Seite ein anderer Wert eingetragen ist. s' steht in keinem Projektfeld und ist immer eine gekennzeichnete Annahme.
| Darstellung | Bedeutung |
|---|---|
| grün | erfüllt, Reserve ≥ 1 dB |
| gelb | erfüllt, Reserve unter 1 dB |
| rot | nicht erfüllt |
| grau | gleiche Nutzungseinheit, keine Anforderung |
8 Optimierung
Für jedes Paar, das nicht erfüllt oder knapp ist, rechnet das Werkzeug Varianten mit denselben Formeln durch und zeigt bis zu drei, die die Anforderung mit der eingestellten Ziel-Reserve (Vorgabe 1 dB) erreichen. Gereiht wird nach dem Eingriff: zuerst eine andere Trittschalldämmung oder ein dickerer Estrich, dann die flankierenden Innenwände, dann die Trennwand oder die Rohdecke. Varianten, die eine bessere Lösung nur um überflüssige Maßnahmen ergänzen, fallen weg.
| Bauteil | Varianten |
|---|---|
| Trennwand | Kalksandstein RDK 2,0 · 17,5 cm + Putz beidseitig Kalksandstein RDK 2,0 · 24 cm + Putz beidseitig Stahlbeton 20 cm + Putz beidseitig Kalksandstein RDK 2,0 · 30 cm + Putz beidseitig Stahlbeton 25 cm + Putz beidseitig |
| flankierende Innenwände | flankierende Innenwände Kalksandstein RDK 2,0 · 17,5 cm |
| Rohdecke | Stahlbeton 18 cm · Stahlbeton 20 cm · Stahlbeton 22 cm · Stahlbeton 25 cm |
| Estrich | Zementestrich 45 mm · Zementestrich 50 mm · Zementestrich 60 mm · Zementestrich 70 mm |
| Trittschalldämmung s' | 30 · 20 · 15 · 10 · 7 MN/m³ |
Die Varianten rechnen mit typischen Rohdichten (Kalksandstein 1900, Stahlbeton 2400, Zementestrich 2000 kg/m³). Sie sind eine Planungshilfe; vor der Ausführung werden die Rechenwerte nach DIN 4109-32 und die Herstellerwerte (s') eingesetzt. Ist das Ziel mit massiven Varianten nicht erreichbar, sagt das Werkzeug es: dann helfen Vorsatzschalen, entkoppelte Stöße oder eine andere Grundrissaufteilung – das ist Fachplanung. Ein Beispiel steht unter Rechenbeispiele.
9 Prüffähigkeit und der Weg zum gesicherten Nachweis
Stand der Absicherung: Die Rechenschritte sind mit einer zweiten, unabhängig geschriebenen Rechnung nachgerechnet und stimmen auf 0,01 dB überein. Ein Abgleich der Formeln und Anforderungswerte mit dem lizenzierten Normtext DIN 4109 steht noch aus. Bis dahin sind die Ergebnisse eine Vorbemessung und kein bauaufsichtlicher Schallschutznachweis.
Was belegt ist (Prüfstand node tests/schallschutz-engine-test.js):
- Formeln gegen handgerechnete Werte (Massegesetz, K_ij, energetische Summe, L_n,eq,0,w, ΔL_w)
- neun Rechenbeispiele B1–B9 gegen eine zweite, unabhängig in Python geschriebene Rechnung (
tests/schallschutz-referenz.py), Toleranz 0,05 dB - kein Ergebnis bei fehlenden Eingaben, außerhalb des Gültigkeitsbereichs, ohne Flanken oder bei Leichtbau
- Erkennung von Trennwänden, Trenndecken, Erschließung und Wohnungen am Testgrundriss; Optimierung liefert nur erfüllende Varianten
Was noch fehlt und vor einem bauaufsichtlichen Nachweis erledigt sein muss:
- Anforderungstabelle (Kapitel 3) Zeile für Zeile gegen DIN 4109-1:2018-01 prüfen, dann
QUELLE.geprueftauf true - Massegesetz und Gültigkeitsgrenzen gegen DIN 4109-32 prüfen, auch für Lochsteine (DIN 4109-32 Abschnitt 4.1.4.2.1)
- Stoßstellen gegen DIN 4109-2 und ISO 12354-1 Anhang E abgleichen, einschließlich Anwendungsbereich der Massenverhältnisse
- Sicherheitsbeiwerte u_prog (2 dB Luft, 3 dB Tritt) bestätigen
- ΔL_w-Gleichung und Korrekturwert K gegen DIN 4109-34 bzw. DIN 4109-2 prüfen
- Rohdichten der Schichten aus dem U-Wert-Rechner durch die Rechenwerte nach DIN 4109-32 ersetzen (Wärmeschutz und Schallschutz nutzen nicht dieselbe Rohdichte)
- Referenzbeispiele aus der Norm oder Fachliteratur als weitere Prüffälle aufnehmen
- Prüfung und Bescheinigung durch eine staatlich anerkannte sachverständige Person für Schall- und Wärmeschutz, wo die Bauordnung sie verlangt
Grundsatz. Das Werkzeug ersetzt nicht die fachliche Beurteilung. Ein rechnerischer Nachweis ist keine bauordnungsrechtliche Bescheinigung.
Häufige Fragen
Reicht es, nur die Trennwand zu betrachten?
Nein. Über die flankierenden Wände und Decken läuft oft die Hälfte der Schallenergie oder mehr. Ein Nachweis nach DIN 4109-2 rechnet alle 13 Übertragungswege.
Welche Anforderung gilt für eine Wohnungstrennwand im Mehrfamilienhaus?
Nach DIN 4109-1:2018-01 Tabelle 2 ein bewertetes Bau-Schalldämm-Maß R'w von mindestens 53 dB; nachgewiesen wird R'w minus 2 dB Sicherheitsbeiwert.
Was bringt eine weichere Trittschalldämmung?
Halbiert sich die dynamische Steifigkeit s' (zum Beispiel von 20 auf 10 MN/m³), sinkt der Trittschallpegel rechnerisch um rund 4,3 dB.
Gilt das Verfahren auch für Holzbau?
Nein. Für Holz- und Leichtbau gelten eigene Rechenansätze (DIN 4109-33). Das Werkzeug zeigt solche Bauteile als nicht bewertbar.