Glossar Schallschutz: R'w, L'n,w, Flankenwege, Stoßstellen und alle Begriffe der DIN 4109

40 Begriffe aus dem Handbuch und den Rechenbeispielen, alphabetisch. Formelzeichen stehen so, wie sie im Rechenweg vorkommen.

A

Aufenthaltsraum
Raum, der zum nicht nur vorübergehenden Aufenthalt von Menschen bestimmt ist (Wohnen, Schlafen, Arbeiten). Die Anforderungen der DIN 4109-1 schützen vor allem diese Räume.

B

Bau-Schalldämm-Maß R'w
Bewertetes Schalldämm-Maß zwischen zwei Räumen im eingebauten Zustand, mit allen Übertragungswegen. Der Strich (Apostroph) steht für „am Bau“. Je größer, desto besser.
Bewertung (Index w)
Ein frequenzabhängiges Messergebnis wird mit einer Bezugskurve nach DIN EN ISO 717 zu einer Einzahlangabe zusammengefasst. Das w steht für „weighted“.
Biegeweiche Vorsatzschale
Leichte, vom Massivbauteil abgesetzte Schale (z. B. Gipskarton auf freistehendem Ständerwerk mit Mineralwolle). Verbessert R_w um ΔR, wenn der Wert belegt ist.

D

Direktweg Dd
Übertragung unmittelbar durch das Trennbauteil vom Sende- in den Empfangsraum.
DIN 4109
Normenreihe „Schallschutz im Hochbau“: Teil 1 Mindestanforderungen (bauaufsichtlich eingeführt), Teil 2 rechnerischer Nachweis, Teile 31 bis 36 Bauteildaten (z. B. 32 Massivbau, 33 Holz-/Leichtbau, 34 Vorsatzkonstruktionen), Teil 5 erhöhte Anforderungen.
DIN EN ISO 12354
Europäische Rechenverfahren der Bauakustik: Teil 1 Luftschall zwischen Räumen, Teil 2 Trittschall, Teil 3 Außenlärm. DIN 4109-2 stützt sich darauf.
Dynamische Steifigkeit s'
Federsteifigkeit der Trittschalldämmung unter dem Estrich in MN/m³. Kleiner ist besser. Steht auf dem Produkt bzw. im Datenblatt (z. B. EPS-T, Mineralwolle-Trittschalldämmplatte).

E

Empfangsraum
Der Raum, in dem der Schall ankommt. Beim Trittschall ist es in der Regel der Raum unter der Decke.
Energetische Summe
Schallpegel addieren sich nicht linear. Die Wege werden über 10^(−R/10) zusammengezählt und wieder in dB umgerechnet. Zwei gleich gute Wege ergeben rund 3 dB weniger als jeder einzelne.
Erhöhter Schallschutz
Schallschutz über der Mindestanforderung, zum Beispiel nach DIN 4109-5. Er gilt nur, wenn er vertraglich vereinbart ist.
Erschließung
Treppenhaus, Hausflur, Diele, Eingang – Räume, die keiner Wohnung gehören. Wände zwischen Erschließung und Wohnung sind Treppenraumwände.

F

Flanke, flankierendes Bauteil
Wand oder Decke, die an das Trennbauteil anschließt und Schall am Trennbauteil vorbei überträgt.
Flächenbezogene Masse m'
Masse je Quadratmeter Bauteil in kg/m²: Rohdichte × Dicke plus Putz. Die wichtigste Größe im Massivbau.

K

Kopplungslänge l_f
Länge der gemeinsamen Kante von Trennbauteil und Flanke, über die Schall übergeht.
Korrekturwert K (Trittschall)
Zuschlag für die Trittschallübertragung über die flankierenden Wände des Empfangsraums: K = 0,6 + 5,5·lg(m'_s/m'_f,m), nicht kleiner als 0.
Kreuzstoß
Stoßstelle, an der die Flanke durchläuft und das Trennbauteil beidseitig anschließt (Decke über und unter einer Wand). Dämmt besser als ein T-Stoß.
K_ij,min
Untergrenze des Stoßstellendämm-Maßes: 10·lg(l_f·(1/S_i + 1/S_j)) mit den Flächen der beiden Bauteile des betrachteten Weges.

L

Leichtbau
Holzständer-, Holzbalken-, Brettsperrholz- und Trockenbaukonstruktionen. Für sie gelten eigene Rechenansätze (DIN 4109-33); das Massivbauverfahren ist nicht anwendbar.
L_n,eq,0,w
Äquivalenter bewerteter Norm-Trittschallpegel der nackten Rohdecke: 164 − 35·lg(m'), gültig von 100 bis 720 kg/m².

M

Massegesetz
Beziehung zwischen Masse und Schalldämmung einschaliger Massivbauteile: R_w = 30,9·lg(m') − 22,2 dB, gültig von 65 bis 720 kg/m². Doppelte Masse bringt rund 9 dB.
Mindestanforderung
Öffentlich-rechtlich geforderter Schallschutz nach DIN 4109-1 zum Schutz der Gesundheit. Kein Komfortversprechen.

N

Nebenwege Ff, Fd, Df
Die drei Wege über eine Stoßstelle: Flanke → Flanke (Ff), Flanke → Trennbauteil (Fd), Trennbauteil → Flanke (Df).
Norm-Trittschallpegel L'n,w
Bewerteter Pegel, der im Empfangsraum ankommt, wenn auf der Decke ein genormtes Hammerwerk läuft. Je kleiner, desto besser.
Nutzungseinheit
Wohnung, Praxis, Büroeinheit – ein in sich abgeschlossener Bereich. Anforderungen gelten zwischen fremden Nutzungseinheiten. Im CAD die WE-Nr. am Raum.

P

Prüfzeugnis
Laborprüfung eines Bauteils (DIN EN ISO 10140). Ein Prüfwert gilt nur für die geprüfte Konstruktion und wird mit Beleg eingesetzt.

R

Reserve
Abstand zwischen Nachweiswert und Anforderung in dB. Positiv = erfüllt. Das Werkzeug nennt Reserven unter 1 dB „knapp“.
Rohdecke
Die tragende Massivdecke ohne schwimmenden Estrich, mit Putz an der Unterseite.

S

Schalldämm-Maß R_w
Bewertetes Schalldämm-Maß eines einzelnen Bauteils, ohne Nebenwege (Laborwert oder Rechenwert).
Schwimmender Estrich
Estrich auf einer Trittschalldämmung, vom Bauwerk und von den Wänden durch Randstreifen getrennt. Verbessert den Trittschall um ΔL_w.
Senderaum
Der Raum, in dem der Schall entsteht.
Sicherheitsbeiwert u_prog
Abschlag für die Prognoseunsicherheit des Rechenverfahrens: 2 dB beim Luftschall, 3 dB beim Trittschall.
Stoßstelle
Verbindung von Trennbauteil und Flanke. Ihre Ausbildung (starr, elastisch, entkoppelt) bestimmt das Stoßstellendämm-Maß K_ij.
Stoßstellendämm-Maß K_ij
Maß dafür, wie viel Schallenergie beim Übergang über eine Stoßstelle verloren geht. Für starre Kreuz- und T-Stöße aus dem Massenverhältnis nach ISO 12354-1 Anhang E.

T

T-Stoß
Stoßstelle, an der das Trennbauteil an der durchlaufenden Flanke endet (z. B. Trennwand an der Außenwand).
Trennbauteil
Die Wand oder Decke zwischen Sende- und Empfangsraum, deren Fläche S_s heißt.
Treppenraumwand
Wand zwischen Treppenhaus oder Hausflur und einer Wohnung. Anforderung im Mehrfamilienhaus R'w ≥ 53 dB.
Trittschallminderung ΔL_w
Verbesserung durch die Deckenauflage: für Nassestriche 13·lg(m'_E) − 14,2·lg(s') + 20,8 dB.

W

Weichfedernder Belag
Teppich, Kork- oder Vinylbelag mit Trittschallminderung. Wird beim Nachweis der Mindestanforderung nicht angerechnet, weil er austauschbar ist.
Wohnungstrenndecke, Wohnungstrennwand
Decke bzw. Wand zwischen zwei Wohnungen. Anforderung im Mehrfamilienhaus: Wand R'w ≥ 53 dB, Decke R'w ≥ 54 dB und L'n,w ≤ 50 dB.

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