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Hydraulischer Abgleich: Verfahren A und B, Nachweis, Förderung

Der hydraulische Abgleich sorgt dafür, dass jeder Heizkörper und jeder Heizkreis genau die Wassermenge bekommt, die sein Raum braucht — nicht mehr und nicht weniger. Er ist die unscheinbarste Maßnahme der energetischen Sanierung und zugleich die Voraussetzung dafür, dass Wärmepumpe, Brennwertkessel und Flächenheizung ihre Effizienz überhaupt erreichen. Das ingenieurbüro rolf krause rechnet den Abgleich nach Verfahren B aus der raumweisen Heizlast und liefert die Einstellwerte für Ventile, Heizkreisverteiler, Pumpe und Heizkurve.

Warum eine Heizung ohne Abgleich falsch verteilt

Wasser nimmt den Weg des geringsten Widerstands. In einem Heizungsnetz ohne Abgleich erhalten die Heizkörper nahe an der Pumpe deutlich mehr Wasser als nötig, die entfernten zu wenig. Die üblichen Reaktionen verschlimmern das Problem: Die Pumpe wird höher gestellt (Strom, Fließgeräusche), die Vorlauftemperatur wird angehoben (Verluste, schlechtere Brennwertnutzung, bei der Wärmepumpe direkt weniger Jahresarbeitszahl), und die Bewohner der unterversorgten Räume drehen dauerhaft voll auf, während andere Räume überheizt sind.

Der Abgleich löst das an der Wurzel: Jeder Heizkörper wird über die Voreinstellung seines Thermostatventils, jeder Fußbodenheizkreis über den Durchfluss am Verteiler auf den berechneten Volumenstrom begrenzt. Danach reicht eine niedrigere Pumpenstufe, die Vorlauftemperatur kann sinken, und die Rücklauftemperatur fällt — genau das, was Brennwerttechnik und Wärmepumpe brauchen.

Verfahren A und Verfahren B

Verfahren A schätzt die Heizlast je Raum überschlägig aus Raumfläche, Baualtersklasse und Heizkörpertyp. Es ist schnell, aber grob — für Bestandsgebäude mit gleichmäßiger Bausubstanz brauchbar, für gemischte oder teilsanierte Gebäude zu ungenau.

Verfahren B rechnet die Heizlast raumweise nach DIN EN 12831 mit den tatsächlichen Bauteilen, Flächen und Lüftungsansätzen. Daraus folgen der Volumenstrom je Heizfläche bei der gewählten Spreizung, die Voreinstellwerte der Ventile, die erforderliche Pumpenförderhöhe und die Heizkurve. Verfahren B ist der Maßstab der Bundesförderung und die einzige belastbare Grundlage für eine Wärmepumpe im Bestand, weil es zeigt, welche Vorlauftemperatur das Gebäude mit den vorhandenen Heizflächen wirklich braucht.

So läuft der Abgleich nach Verfahren B ab

1. Raumweise Heizlast: Aufnahme von Hüllflächen, U-Werten, Fenstern und Lüftung, Berechnung nach DIN EN 12831 für jeden beheizten Raum. 2. Heizflächen prüfen: Für jeden Heizkörper wird geprüft, ob er die Raumheizlast bei der Ziel-Vorlauftemperatur deckt; zu kleine Heizkörper werden benannt, bevor über eine Wärmepumpe entschieden wird. 3. Volumenströme und Einstellwerte: Spreizung festlegen, Volumenstrom je Heizfläche berechnen, Ventilvoreinstellung bzw. Verteiler-Durchfluss und Pumpenförderhöhe ableiten. 4. Einstellen und dokumentieren: Der Heizungsbauer stellt die Werte ein und bestätigt sie auf dem VdZ-Formular; Heizkurve und Pumpenkennlinie werden auf das Ergebnis angepasst.

Pflicht, Förderung und Nachweis

Für Gebäude mit Gaszentralheizung ab sechs Wohneinheiten ist der hydraulische Abgleich seit 2023/2024 gesetzlich vorgeschrieben. Als Einzelmaßnahme „Verbesserung der Anlageneffizienz" (BEG EM 5.4 a) wird er gefördert — zusammen mit Heizkurve, Pumpentausch, Anpassung von Vorlauftemperatur und Pumpenleistung und Rohrdämmung; den aktuellen Fördersatz finden Sie in unserer BAFA-Übersicht. Beim Heizungstausch nach KfW 458 gehört die Optimierung des gesamten Verteilsystems zum Vorhaben. Nachweis ist in allen Fällen das Bestätigungsformular des VdZ, ausgefüllt vom Fachunternehmer — es wird bei der Bestätigung nach Durchführung häufig nachgefordert.

Wärmepumpe: erst abgleichen, dann auslegen

Eine Wärmepumpe verliert mit jedem Kelvin Vorlauftemperatur Effizienz. Der Abgleich nach Verfahren B zeigt, ob das Gebäude mit 45 °C oder 55 °C auskommt, welche Heizkörper dafür getauscht werden müssen und wie groß der Wärmeerzeuger tatsächlich sein muss. Deshalb steht er in unserer Heizlastberechnung und Wärmepumpen-Auslegung nicht am Ende, sondern am Anfang.

Selbst rechnen — frei verfügbare Werkzeuge

  • Heizlast berechnen — raumweise Heizlast nach DIN EN 12831 mit Übergabe der Raumwerte an die Abgleich-Tabelle im Gebäudepass.
  • Flächenheizung auslegen — Heizkreise, Verlegeabstand, Vorlauftemperatur und die Ventil-Einstelltabelle für den hydraulischen Abgleich.
  • U-Wert-Rechner — die Bauteilwerte, aus denen die Heizlast entsteht.
  • Digitaler Gebäudepass — legt den Abgleich-Nachweis automatisch als Dokument ab.

Alle Werkzeuge laufen direkt im Browser und sind ohne Registrierung nutzbar. Für die regelmäßige Nutzung bitten wir um eine kurze Anmeldung.

Was Sie sich sparen

Ein abgeglichenes Netz läuft mit kleinerer Pumpenstufe und niedrigerer Vorlauftemperatur: weniger Pumpenstrom, bessere Brennwertnutzung, höhere Jahresarbeitszahl der Wärmepumpe, keine überheizten und keine kalten Räume. Und: Ohne den Abgleich gibt es für Heizungsoptimierung und Heizungstausch keine Förderung.

Abgleich nach Verfahren B beauftragen

Wir rechnen die raumweise Heizlast und liefern die Einstellwerte für Ihren Heizungsbauer — für Heizkörper, Fußbodenheizung und Wärmepumpe. Kontakt aufnehmen oder direkt mit dem Heizlast-Rechner starten.

Autor: Dipl.-Ing. Rolf Krause · Energieberater (KfW EB473095) · Stand: 2026-09-28