Einfamilienhaus in Brüggen (Niederrhein), Holzständerbauweise, Baujahr 2020, 139 m² Wohnfläche, Satteldach, Luft-Wasser-Wärmepumpe mit Flächenheizung. Auftraggeber: das Ingenieurbüro selbst — wir erproben jede neue Methode zuerst am eigenen Gebäude, bevor sie in Kundenprojekten eingesetzt wird.
Ausgangslage
Auch ein junges, gut gedämmtes Gebäude ist selten vollständig dokumentiert: Nachweise, Aufbauten, Anlagendaten und Verbräuche liegen verstreut in Ordnern, E-Mails und beim Planer. Für dieses Pilotprojekt sollte das eigene Wohnhaus vollständig digital erfasst werden — als durchgängiger Datensatz vom CAD-Grundriss über den Gebäudesteckbrief bis zum veröffentlichten Gebäudepass. Zusätzlich sollte die Ökobilanz des Gebäudes nach DIN EN 15978 auf Basis der ÖKOBAUDAT gerechnet und gegen die QNG-Anforderungswerte geprüft werden.
Lösung
Das Gebäude wurde im CAD-Editor raumweise gezeichnet und in den Gebäudesteckbrief übernommen — eine Datenbasis, aus der alle weiteren Rechnungen gespeist werden: Heizlast nach DIN EN 12831, Wärmepumpen-Prüfung, Wärmeschutzbilanz nach DIN V 18599 und die Lebenszyklus-Bilanz (GWP und PENRT über 50 Jahre Betrachtungszeitraum).
Die erste Ökobilanz verfehlte den PENRT-Anforderungswert deutlich. Die Ursachenanalyse zeigte: Ein hinterlegter Bauteilaufbau stammte aus einer früheren Arbeitssitzung und passte nicht zum realen Dach — ein typischer Datenfehler, der in jeder Software passieren kann und ohne systematische Prüfung unbemerkt bliebe. Mit der Optimierungsrechnung des LCA-Werkzeugs wurden die Stellgrößen Schritt für Schritt geprüft (Bauteilaufbauten, Endenergie aus dem Wärmeschutznachweis, Jahresarbeitszahl, Photovoltaik-Auslegung); jede angewendete Variante wird sofort neu bilanziert und protokolliert. Ergebnis der Variantenrechnung: beide QNG-Kenngrößen im grünen Bereich — Treibhauspotenzial deutlich unter dem Anforderungswert, Primärenergie knapp darunter.
Erbrachte Leistungen
- CAD-Erfassung mit Raumbuch und Übernahme in den Gebäudesteckbrief (eine Datenbasis für alle Werkzeuge)
- Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 und Prüfung der Wärmepumpen-Auslegung
- Wärmeschutzbilanz nach DIN V 18599:2018-09
- Ökobilanz nach DIN EN 15978 auf ÖKOBAUDAT-Basis (EPD-Daten nach DIN EN 15804), Abgleich mit den QNG-Anforderungswerten
- Optimierungsrechnung mit dokumentierten Varianten bis zur Grenzwert-Einhaltung
- Veröffentlichung als digitaler Gebäudepass mit PIN-geschütztem Zugriff
Besonderheiten
Das Projekt zeigt zwei Dinge, die wir aus jedem Kundenprojekt kennen: Erstens steckt der größte Hebel oft nicht in neuer Technik, sondern in korrekten Daten — ein einziger falscher Bauteilaufbau verschob die Primärenergie-Bilanz um mehr als ein Drittel. Zweitens macht eine durchgängige Datenbasis solche Fehler sichtbar: Weil alle Werkzeuge aus demselben Steckbrief lesen, fällt jede Abweichung im automatischen Datenabgleich auf. Genau dieses Vorgehen — erfassen, prüfen, bilanzieren, optimieren, dokumentieren — bieten wir für Bestands- und Neubauprojekte an.
Selbst rechnen — frei verfügbare Werkzeuge
- Ökobilanz-Rechner (LCA) — GWP- und PENRT-Bilanz mit QNG-Abgleich und Optimierungsvorschlägen
- CAD-Editor — Grundriss raumweise erfassen, direkt in den Steckbrief übernehmen
- Heizlast-Rechner — raumweise Heizlast nach DIN EN 12831
- Digitaler Gebäudepass — alle Gebäudedaten an einem Ort
Alle Werkzeuge laufen direkt im Browser und sind ohne Registrierung nutzbar. Für die regelmäßige Nutzung bitten wir um eine kurze Anmeldung.
Fragen zum Projekt? Kontakt zum Ingenieurbüro.